Konstanzer Konzil - Konstanz

Streit der Päpste endete am Bodensee

Kardinäle aus der gesamten christlichen Welt strömten vor 600 Jahren nach Konstanz, um die drohende Spaltung der katholischen Kirche zu verhindern. Das Landesmuseum erinnert an das Konzil mit einer Austellung, zu der 300 Leihgaben ins historische Konstanzer Konzilgebäude kamen

Drei Päpste? Das war des Guten zu viel. Diese fatale Konstellation war so zustande gekommen: Kardinäle waren unzufrieden mit ihrem Papst Urban VI. und wählten 1378 einen der ihren, Robert von Graf von Genf, als Clemens VII zum Gegenpapst – die Kirche war gespalten.

Und blieb es erst mal, weil fortan zwei Päpste miteinander konkurrierten. Als 1409 Kardinäle die beiden amtierenden Päpste für abgesetzt erklärten und einen dritten an ihrer Stelle installieren wollten, ging das gründlich schief. Nun hatte man nicht mehr nur zwei, sondern drei Päpste: Gregor XII., Benedikt XIII. und Johannes XXIII. König Sigismund, zu der Zeit König von Ungarn und Kroatien, wollte die Spaltung der Kirche beenden und lud zum Konzil, das an 1414 neutraler Stelle, in Konstanz, einberufen wurde.

Das Konzil war ein wahrer Blockbuster: Kardinäle aus der gesamten christlichen Welt strömten den Ort am Bodensee. Sie hatten erkannt, dass die katholische Kirche zu zerfallen drohte, das Konzil sollte den Weg aus dem Desaster bahnen. Im November 1417, nach vier Jahren zäher Verhandlungen, Absetzungen, Abdankungen, Intrigen und dramatischen Wendungen, vernahm die in Christenheit endlich den erlösenden Ruf "Habemus Papam!" (Wir haben einen Papst). Die Krönung von Papst Martin V. (der Italiener Oddo di Colonna) beendete den Zwist.

Konstanz ist natürlich mächtig stolz auf das historische Großereignis, schließlich war es die einzige Papstkrönung auf deutschem Boden. Mit der Großen Landesaustellung feiert die Stadt das 600-jährige Jubiläum, am selben Ort, an dem sich seinerzeit die Kirchenväter getroffen hatten, in einem 1388 errichteten Gebäude am alten Hafen.

Zur Ausstellung kamen Leihgaben aus fast ganz Europa. Zirka 350 Exponate der Konzilszeit werden zu sehen sein, darunter eindrucksvolle Ausstellungsstücke, die das hohe Niveau des Kunstschaffens der Zeit um 1400 dokumentieren. Aus Madrid kommt der Bischofsstab des Gegenpapstes in Spanien, aus Barcelona der prunkvolle Annen-Altar, aus Nowgorod Ikonen der bedeutendsten mittelalterlichen Malschule in Russland und aus den Vatikanischen Museen Gemälde der großen Meister der Frührenaissance. Erstmals werden gleichzeitig insgesamt sieben Ausgaben der Konzilschronik von Ulrich Richental gezeigt, darunter die Chronik aus der Nationalbibliothek in Prag und die einzigartige Aulendorfer Handschrift von 1460 aus New York. Museumsdirektor Sibenmorgen: "Diese Handschrift von 1460 stammt ehemals aus dem oberschwäbischen Aulendorf. Sie ist die älteste und wohl authentischste Version unter allen erhaltenen illustrierten Abschriften nach dem verlorenen Original des Konzilschronisten von Ulrich Richental."

Weitere Highlights: der grandiose Christus vom Mosesbrunnen der Kartause in Champmol (Dijon) von Claus Sluter und seiner Werkstatt oder die berühmte Borgia-Velletri-Karte aus den Vatikanischen Museen, die zu den ersten Weltkarten zählt, die das aristotelische und das mittelalterlich-christliche Weltbild in Einklang gebracht haben.