Yinka Shonibare - Neumünster

Prächtig und kopflos

Yinka Shonibare bezeichnet sich selbst als "postkolonialen Hybrid". Mit seinen Werken untersucht der britische Künstler undurchsichtige koloniale Praktiken und rassistisch geprägte Denkweisen.

Verführung und Schönheit sind die wichtigsten künstlerischen Strategien im Werk des britischen Künstlers Yinka Shonibare mbe (Jahrgang 1962, seit 2005 Member of the Order of the British Empire), der in Nigeria aufgewachsen ist.

Seine Figurentableaus entführen den Betrachter häufig in mythologische, historische oder galante Szenerien des 18. Jahrhunderts, in denen die lebensgroßen Puppen ebenso elegant wie farbenprächtig gekleidet sind. Die opulenten historischen Gewänder betören durch ungewohnt üppige, farbenprächtige Ornamentrapporte aus gebatikten Stoffen.
Die afrikanisch anmutenden Designs verweisen programmatisch auf das Anliegen Shonibares, in seinem umfangreichen Werk, das auch Video, Collagen und Objekte umfasst, die komplizierten Wege und häufig undurchsichtigen kolonialen Praktiken sowie rassistisch geprägte Denk- weisen im Kontext kultureller Kodierungen aufzudecken.

Unter dem Titel "Cannonball Paradise" läuft jetzt in der Herbert-Gerisch-Stiftung eine große Werkschau Yinka Shonibares. Sich selber bezeichnet der Künstler auch als "postkolonialen Hybrid" und die Stoffe, die er verwendet, als Symbol multikultureller Identität: Denn gefertigt sind die traditionellen Stoffe mit Batik­muster in den Niederlanden und wurden dann nach Großbritannien geliefert. Das ist charakteristisch für seine Praxis, mit doppelten Wendungen
sowie geistreichen Tricks und Mehrdeutigkeiten zu arbeiten, die sich schon im Material ausdrücken.

Dadurch wirken seine Arbeiten ebenso anziehend wie beunruhigend, zerfallen in hybride Konstruktionen von Identität und unterlaufen auf diese Weise traditionelle Vorstellungen. Häufig haben daher seine Figuren keinen Kopf, um nicht identifizierbar afrikanisch oder europäisch zu sein. Seine Referenzen an die pompöse Mode des 18. Jahrhunderts sind visueller Ausdruck der aristokratischen Überflussgesellschaft, die durch Anhäufung von Reichtum, Macht und Zeit auf der Basis von Unterdrückung existierte. Doch wäre es zu kurz gefasst, die Arbeit Shonibares allein auf die kritische Fragestellung postkolonialer Geschichtsreflexion zu reduzieren. Seine Werke sind ebenso von einer humorvollen Attraktivität. Bunte Stoffkugeln fliegen aus Kanonenrohren, eine kopflose Eva verführt Adam. Diese Doppelung verleiht seinem Werk eine irisierende Anziehungskraft.

Yinka Shonibare MBE: Cannonball Paradise

Herbert-Gerisch-Stiftung, Neumünster, bis 19. Oktober 2014
http://www.gerisch-stiftung.de/ausstellung/cannonball-paradise-0