Kristof Kintera - Basel

Der Teufel liebt Punk

Ehrfurcht wäre hier fehl am Platz, denn Kristof Kintera, der sich nichts aus Tabus macht, ist selbst anscheinend nichts heilig. Im Baseler Tinguely-Museum übt der Prager Installationskünstler Konsumkritik, indem er Kaufrausch ermöglicht.

Voller Elektronik steckt dieser Teufel. Sein Schwanz zuckt wie eine Peitsche durch den Raum. Der rechte Turnschuh mit rotem Kreuz tritt nerv
ös den Filzhammer gegen eine riesige Pauke. Der linke Arm endet in einem Tankfüllstutzen und schlägt so heftig gegen Biergläser, dass sie splittern, statt mit Sprit gefüllt zu werden.

Das Benzin, der Stoff, dröhnt denn auch eher aus dem Transistorradio, wenn klassische Streichermusik mit Stimmen in verschiedenen Sprachen 
und wildem Punk-Gedröhn abwechseln. Der Herr der Unterwelt scheint in Trance befangen. Sein Schädel 
mit mächtigen Hörnern liegt über der Pauke. So zieht er sich die Bad News rein, von denen der Titel der Skulptur spricht. Gemeinsam mit drei Dutzend anderen aberwitzigen Figuren nimmt der Teufel die riesige Halle des Tin
guely-Museums in Beschlag.

Erdacht hat diese Geschöpfe Kristof Kintera. Der hat den Punk im Blut und eine sozialistisch reglementierte Kindheit im Gedächtnis. In seinen Arbeiten vermischt der 1973 in Prag geborene Künstler beides zu ebenso düsteren wie witzigen Inszenierungen unserer Zeit. Er mag biedere Christbaumkugeln und türmt damit verrückte Gebilde, bis die Kugeln sich mit ihrer eigenen Last zerdrücken. Er transformiert einen Kinderwagen in einen Panzer oder baut aus Lampen einen Samurai. Die Kritik an Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und am sinnlosen Konsum nimmt der Betrachter zwar wahr, aber sie wird nie wirklich manifest.

Zu predigen ist nicht Sache dieses Künstlers. Sein Gott ist ein dürres Gezweig mit einem Globus als Kopf. Kintera nutzt vorwiegend Gegenstände, die er findet, und zeigt, dass ihr zweites Leben zu den Brüchen passt, die unseren Alltag kennzeichnen. Da liegt der Kandelaber einer Lampe neben dem Schaft und leuchtet weiter, weil es schöner ist, der Zerstörung zu trotzen, als sie zu beklagen.

Ehrfurcht muss man vor dieser Kunst nicht haben. Das wird im Tingue­ly-Museum gleich zu Beginn dieser Ausstellung signalisiert: Denn Kintera hat als Eingang einen Laden mit Billigklamotten einrichten lassen. Hier kann man vom Shoppen gleich zur Kunst wechseln. Das ist niederschwel
lig und sarkastisch zugleich.

Kristof Kintera – I am not you

bis 28. September,
Museum Tinguely,
Basel
http://www.tinguely.museum/de.html

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