Dirk Bell - Braunschweig

Quadratur der Freiheit

Stählerne Wortgitter treffen auf ein Videospiel, trashige Mixed-Media-Installationen und pastell-farbene Zeichnungen mit romantischen Themen

Ein Ende ist zugleich ein Anfang. Bei Dirk Bells Stahlparavent, der aus der mehrfach an- und übereinandergereihten Buchstabenfolge Denkende geschnitten ist, mündet das "Denken" in ein "Ende", aus dem wieder ein "Denken" hervorgeht.

So entstehen Endlosschleifen, in denen Altes in Neues überführt wird oder an anderer Stelle noch einmal beginnt. Das gilt bei Bell für Begriffe, aber auch für Zeitungen, alte Türen oder Gemälde vom Flohmarkt, die der 1969 in München geborene Künstler übermalt, reproduziert, einfärbt, im Raum arrangiert und so einer neuen Bedeutung zuführt.

"Freiheit" und "Liebe" sind wiederkehrende Themen in seinen Arbeiten; Besucher sollen im kunstverein braunschweig in einem Videospiel über die Räume hinweg mit- und gegeneinander beides ausbalancieren. Freelove (2010) zeigt einmal die ineinandergeschachtelten Buchstaben beider Wörter aus Stahl geschnitten auf einem Glassockel, einmal aus Glas geschnitten auf einem Stahlsockel. "Lovephabeth" nennt der Künstler, der an der Braunschweiger Kunsthochschule studiert hat, seinen auf einer quadratischen Grundform basierenden, schwer zu entziffernden Schriftschnitt. Aus den Buchstaben baut er Wortgitter, und aus den Wortgittern baut er neben Paravents auch Holzregale: So werden im Braunschweiger Kunstverein auf Get Give und Want (beide 2012) Objekte präsentiert, die in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden sind.

Neben trashigen Mixed-Media-Installationen, in denen diese Wortgitter auf bemalte Schaufensterpuppen, geschwärztes Wohnmobiliar oder auch eine Staffellei treffen, auf der ein aus Bells Atelier herausgerissenes Stück Fußbodenbelag klebt, fertigt der Künstler pastellfarbene Zeichnungen an, die mal an symbolistische Fantasy-Illustrationen, mal an Renaissanceskizzen erinnern. Wann immer man Bells Kunst an einen Stil, eine Interpretation oder eine Handschrift angedockt zu haben glaubt, kommt er mit etwas Neuem. Auch da steckt im Ende der Anfang.

Dirk Bell. NOWhere

Braunschweig, Kunstverein,
bis 24.08.2014


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