Max Uhlig - Magdeburg

Kennzeichen: hartnäckig

Der Dresdner Maler zeigt seine kompromisslosen Landschaften und Porträts

Manchmal hat Max Uhlig bis zu fünf Meter breite Leinwände ins Gelände geschleppt und sich dann mit dem Pinsel davorgesetzt.

Diese auch körperliche Anstrengung ist die logische Konsequenz seiner Idee von Landschaftsmalerei. Nur direkt vor der Natur kann und will er die Natur erfassen – ob an Dresdens Elbufern, in den mecklenburgischen Weiten, im Erzgebirge oder ab den neunziger Jahren in seinem Domizil in Südfrankreich.

Unter freiem Himmel erweist sich der 1937 geborene Maler immer wieder als würdiger Nachfolger seiner Pleinair-Kollegen aus der frühen Moderne. Doch gilt dies nur für die Methode, bei Wind, Wetter und wechselndem Licht hartnäckig das Motiv zu umkreisen. Stilistisch wurde der Dresdner Uhlig nie zu einem Epigonen des Impressionismus oder irgendeines Trends. Mit bewundernswerter Kompromisslosigkeit entwickelte er seine eigene, unverwechselbare Handschrift.

Speziell in den DDR-Jahren bis 1989 war eine solche Unbeirrbarkeit alles andere als selbstverständlich. Stets sieht man Uhligs gestisch wuchernden Liniengeflechten auch seine Herkunft als erfolgreicher Grafiker und Zeichner an. Jetzt würdigt die Ausstellung "Vor der Natur gewachsen" im Kunstmuseum Kloster unser lieben Frauen in Madgeburg sein malerisches Werk aus den Jahren 1971 bis 2013: Über 50 Gemälde und noch mehr Aquarelle und Zeichnungen sind dort versammelt.

Anlass der Werkschau ist die für dieses Jahr geplante Realisierung seiner Kirchenfenster für die Magdeburger Johanniskirche. Für den imposanten gotischen Hallenbau gestaltete er 13 riesige Fenster in Südschiff und Chor. Auch hier spielen Natur und Vegetation die Hauptrolle – so als hätte der Künstler eines seiner extravaganten Querformate in vertikale Portionen zerlegt.

"Mit diesem leuchtenden Farbmeer bekommt der Veranstaltungsraum, der so etwas wie die gute Stube der Stadt ist, eine beeindruckende Feierlichkeit", findet Kuratorin Annegret Laabs, die Leiterin des Kunstmuseums. Mit der Retrospektive will sie nicht nur die Landschaft als Uhligs Dauerthema behandeln, sondern auch dessen markante Menschenbilder zeigen. Bei diesen Köpfen und Halbfiguren, wiewohl nach realen Personen entstanden, geht es weniger um Porträtähnlichkeit. Aus splittrigen Malschichten und explosiven Strichbündeln lässt Max Uhlig das Wesen seines Gegenübers erwachsen – ebenso tiefgründig und spröde, wie er einen Berg, Baum oder Strauch abbildet.

Max Uhlig – Vor der Natur gewachsen

Magdeburg, Kunstmuseum,
bis 21.09.2014
http://www.kunstmuseum-magdeburg.de/de/ausstellungen/aktuell.html