Andreas Schulze - Esslingen

Marsriegel, Erbsen, Regen

Andreas Schulze war einer der Jungen Wilden – jetzt ist er älter, aber immer noch wild und möbliert die Villa in Esslingen mit dreidimensionaler Malerei.

Die Frage bietet sich an: Ist Oskar Merkel zurück? Lebt der Industrielle wieder in seiner Villa in Esslingen, dort, wo seit Jahrzehnten die Kunst zu Hause ist?

Im Salonzimmer stehen wieder Möbel, es hängen Lampen an den Decken. Andreas Schulze hat die villa merkel neu eingerichtet – mit Kunst. Das Tischtuch ist gemalt, die Lampen sind Keramiken, die Blumenvasen seinem eigenen Kopf nachempfunden. "Es ist wie die Neumöblierung des ehemaligen Wohnhauses", sagt Andreas Baur.

Baur, Leiter der städtischen Galerie, hat die Ausstellung von Andreas Schulze zusammengestellt und wird 70 neue Arbeiten des 1955 geborenen Malers zeigen, "einige ganz frisch gemalt", sagt er. Während das Erdgeschoss der "drei-dimensionalen" Malerei" gewidmet ist, wird im Obergeschoss "Flachware" präsentiert, so Baur, die Schulzes verschiedenen Serien spiegelt – zum Beispiel Arbeiten aus seiner Wasser-Serie. Das großformatige Gemälde"Untitled/Seescape/5 types of water" von 2011 zeigt ein grafisch reduziertes Meer "in unterschiedlichen Aggregatzuständen", so Baur, "an einer Stelle regnet es, an einer anderen ist Nebel". Eigens für die Ausstellung entsteht auch ein Gartenbild, auf dem Schulze mit theaterhafter Malerei eine Art Idealgarten darstelle, so Baur.

Um "die Herleitung der Dinge" plausibler zu machen, will er aber auch ältere Werke ergänzen, zum Beispiel eines der Erbsenstücke. In früheren Jahren malte Schulze zu Hunderten Erbsen in strikten Reihen, mit delikatem Glanz und präzisem Schatten. "Grüne Punkte mit schönem Licht- und Schattenspiel", sagt Baur, "aber immer auch humoristisch und augenzwinkernd."

Schulze arbeitete zunächst im Kreis der Kölner Gruppe "Mülheimer Freiheit" und der sogenannten "Jungen Wilden", distanzierte sich aber bald von der expressiven und spontanen Malerei und entwickelte seine eigene gegenständliche und erzählerische Kunst, in der auch Mars-
riegel, Obst oder Pflastersteine auftauchen. "Eine extrem schlüssige Position", meint Baur, die ihn aber vor allem fasziniere wegen der "unsäglichen, kaum zu verstehenden Lockerheit", mit der Schulze seine Bilder male. //

Andreas Schulze

Esslingen, Villa Merkel 29.06.—21.09.2014

http://www.villa-merkel.de/index.php?id=8

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