10 Jahre Museum Burda - Baden-Baden

Mann und Frau beim Duell

Das Museum Frieder Burda feiert mit der Ausstellung "40/10" nicht nur seinen zehnten Geburtstag, sondern auch das 40-jährige Bestehen der Privatsammlung von Frieder Burda.

Hoffentlich schießen sie nicht. Denn worüber wollten Mann und Frau noch streiten, wenn sie sich nicht mehr als Kontrahenten bekriegen könnten?

Copley war den Frauen verfallen. Blondinen mit üppigen Formen und wallendem Haar waren seine Leidenschaft – und sein Verhängnis. Immer wieder ging es in seinen Bilder um den Krieg zwischen den Geschlechtern. In "West" von 1974 hat er das Thema zugespitzt, Mann und Frau stehen sich wie im Duell mit Pistolen gegenüber. Und auf der kitschigen Tapete im Hintergrund scheinen die roten Herzchen hämisch über diese Hassliebe zu kichern.

Vor zehn Jahren ist das Museum Frieder Burda in Baden-Baden eröffnet worden. "40/10" nennt sich die Jubiläumsausstellung, die nicht nur das Sammlermuseum feiert, sondern auch die Kollektion Burdas, der vor 40 Jahren zu sammeln begann. In dem Museumsbau von Richard Meier als auch in der benachbarten Staatlichen Kunsthalle wird eine Auswahl aus rund tausend Werken gezeigt – und Copley durfte dabei nicht fehlen. Denn einer der Höhepunkte im Museum Frieder Burda war in den vergangenen Jahren zweifellos die Retrospektive von William N. Copley – eine Entdeckung. Denn obwohl der 1996 gestorbene Amerikaner zweimal auf der Documenta in Kassel vertreten war, findet man ihn in deutschen Museen so selten wie in der Kunstgeschichtsschreibung. In Sammlerkreisen aber wurde Copley stets geschätzt, auch Frieder Burda hat seine Werke früh gekauft und besitzt heute mehr als 20 Arbeiten.

Burda sammelt Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst. In der Jubiläumsschau sind nun Picasso und Kirchner kleine Sektionen gewidmet, Hauptheld ist aber Gerhard Richter. Er ist mit mehreren Werken quer durch die Jahrzehnte hindurch vertreten. Der Kampfjet "XL513" aus dem Jahr 1964 trifft auf Abstraktionen aus den neunziger Jahren, Richters legendäre Kerze von 1982 hängt vis-à-vis von "V Strip 5", einem Digitaldruck jüngeren Datums, auf dem präzise gesetzte vertikale Farblinien flirren und flimmern.

Das Potpourri zeigt die Bandbreite von Richters heterogenem Werk. Nebenan in der Kunsthalle muss man sich zwar mit kleineren Formaten begnügen, trotzdem lässt sich hier Richters Ansatz besser nachvollziehen. Denn die Jubiläumsschau ist nicht aus einem Guss, sondern Götz Adriani hat den Teil im Burda-Museum arrangiert, während die Ausstellung in der Kunsthalle von seinem Nachfolger Helmut Friedel kuratiert wurde, der Frieder Burda künftig beraten wird.

Auch Friedel hat in der Kunsthalle einen Saal Gerhard Richter gewidmet. Die vier Bilder der Serie "Bühler Höhe I – IV" passen nicht nur bestens nach Baden-Baden, weil sie ein klassisches Motiv aus Stadt verhandeln, sondern hier wird die Landschaft zunächst mit fotorealistischer Präzision gemalt, dann abstrahiert und schließlich in der völligen Ungegenständlichkeit aufgelöst. "Venedig" vom 1986 ist eine Landschaft – und doch markieren Farbflecken den konkreten Schaffensprozess, den Akt des Malens.

Friedel setzt den Hauptakzent seiner Ausstellung auf Sigmar Polke – und zeigt sein riesiges abstraktes Triptychon (1996), aber auch die "Kartoffelmaschine", bei der eine aufgespießte Kartoffel um eine andere kreist, angetrieben von einem knatternden Motörchen. Trotzdem erzählt Friedel in seiner Ausstellung immer auch mit, was Malerei vermag – wenn zum Beispiel Georg Baselitz die Motive auf den Kopf stellt oder Corinne Wasmuht in "Ezeiza Bandog" eine riesige Halle malt, eine Art Wimmelbild, das doch höchste Ordnung und Struktur besitzt. Die gegenständliche Malerei ist hier bis zu ihrer völligen Unlesbarkeit ausgereizt.

Adriani hat dagegen neben den Schwerpunkten Richter und Klassische Moderne weitere Positionen recht summarisch arrangiert: Richard Estes fotorealistischer Blick in eine New Yorker Straße und in eine Bäckerei. Hier Jackson Pollock, dort Mark Rothko; zwei riesige Gesichter im Halbprofil von Alex Katz und zwei extrem in der Kurve liegende Motorradrennfahrer von Malcolm Morlay, bei dem Mensch und Maschine ineinander überzugehen scheinen.

Burda hat in den vergangenen Jahren einerseits mit Blockbustern zu Emil Nolde, Marc Chagall oder Blauer Reiter die Massen nach Baden-Baden gelockt, er hat aber auch viele interessante und überraschende Ausstellungen präsentiert wie zum Beispiel zu dem amerikanischen Fotografen Gregory Crewdson, zu Gunter Sachs oder dem Fotorealisten Franz Gertsch. Er hat Anselm Kiefer, Neo Rauch, Sigmar Polke und Gerhard Richter in großem Stil gewürdigt. Die Jubiläumsschau ist im Vergleich dazu enttäuschend ausgefallen, nicht, weil die einzelnen Arbeiten schlecht wären, im Gegenteil. Es gibt viele Werke von außerordentlicher Qualität zu sehen – etwa das Monumentalbild "Böhmen liegt am Meer" (1995) von Anselm Kiefer oder "Der Hirte" (1966) von Georg Baselitz. Aber es fehlt ein inhaltliches Konzept, das die Werke verbindet. So ist es nicht mehr als ein recht beliebiger Querschnitt durch die Sammlung, der letztlich auch wenig über die Vorlieben des Sammlers aussagt.

40/10

Ausstellung bis 26.Oktober 2014

http://www.museum-frieder-burda.de

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