Zentrum für politische Schönheit - Berlin

das Prinzip der Todumarmung

Kunst verändert die Welt! Das Zentrum für Politische Schönheit beweist, dass dieser Satz wahr werden kann
Kunst verändert die Welt!:Das Zentrum für Politische Schönheit

Collage zum Zentrum für politische Schönheit von Matthieu Bourel

"Die höchste Form der Kunst ist: gute Politik", lautet das Motto von Philipp Ruch. Der 33-jährige Berliner Politikphilosoph ist der Kopf der Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit (ZPS), der gerade mit mehreren spektakulären Aktionen gelungen ist, Einfluss auf die Politik der Bundesregierung zu nehmen.

Es begann mit der Kampagne Kindertransporthilfe des Bundes, einer perfekt programmierten Fake-Webseite, die im Namen des Familienministeriums Pflegeeltern für 55 000 syrische Kinder suchte. Innerhalb kürzester Zeit erklärten sich Hunderte bereit, ein Kind in Obhut zu nehmen. Das positive Echo und die vielen Pressenachfragen brachten Ministerin Manuela Schwesig in Bedrängnis, denn sie wurde für etwas Gutes gefeiert, das es nicht gab. Das Ministerium distanzierte sich – und erntete Kritik. "Wir schaffen die guten Fakten, die wir uns wünschen, und zwingen die Verantwortlichen so, mit Größe zu reagieren", erklärt Ruch das "Prinzip der Todumarmung".

Dafür ging die Gruppe noch weiter: Mit der Aktion 1 aus 100 ließ sie am Berliner Bahnhof Friedrichstraße Passanten vor einem Container mit Manuela-Schwesig-Plakat wie in einer Casting-Show darüber abstimmen, welche syrischen Kinder gerettet werden sollen. Viele Leute reagierten mit Skepsis und Abscheu auf den Zynismus der Aktion. "Das war Absicht", so Ruch, "Die Leute sollen erkennen, wie geschmacklos und feige unsere Flüchtlingspolitik ist. Deutschland will nur 10 000 Menschen aufnehmen, obwohl 76 000 Syrer Asyl beantragt haben. Wie werden die ausgewählt? Wer entscheidet, wer leben darf? Der Libanon, die Türkei und Jordanien nehmen je eine Million Menschen auf." Es wurde viel berichtet über die Aktionen, die das ZPS der jungen, hübschen Familienministerin angehängt hatte. So viel, dass die Regierung die Gruppe ins Bundeskanzleramt lud. "Man wollte wissen, was getan werden muss", so Ruch, der dabei war. Ein direkter Zusammenhang ist natürlich nicht zu beweisen, aber als Außenminister Frank-Walter Steinmeier kurz darauf verkündete, Deutschland werde die Flüchtlingshilfe für Syrien aufstocken und mehr Menschen Asyl gewähren, feierten das ZPS und alle seine Fans.