Simone Forti - Salzburg

Tanz den Flamingo

Die erste umfassende Retrospektive der in Los Angeles lebenden "Bewegungskünstlerin"

Ein müder Flamingo zieht ein Bein ein, um auf dem anderen stehend einzuschlafen. Simone Forti, die dieses Verhalten Ende der sechziger Jahre in einem Zoo in Rom beobachtete, leitete daraus eine Tanzfigur ab: Die Tänzerin versucht, ebenfalls ein Bein anzuziehen, während sie allerdings nicht wie der Vogel stehen bleibt, sondern sich zurücklehnt, als wolle sie sich wie ein Mensch schlafen legen.

Auch das Spiel von Kindern, das Forti während ihrer Aushilfstätigkeit in einer New Yorker Kindertagesstätte studierte, das Verhalten von Fußgängern und sogar die Regungen von Pflanzen machte sie zur Grundlage für Tanzbewegungen. Alles, noch die banalste alltägliche Verrichtung, war für Fortis Kunst interessant. Getanztes sollte möglichst wenig wie Tanz aussehen.

Simone Forti, 1935 in Florenz als Tochter eines wohlhabenden jüdischen Wollspinners geboren, emigrierte noch als Kind mit den Eltern nach Los Angeles. In San Francisco und New York studierte sie Kunst und nahm Tanzkurse. In den fünziger Jahren war die "Bewegungskünstlerin", wie sie sich selbst nennt, mit dem Künstler Robert Morris, in den Sechzigern mit Robert Whitman verheiratet. Gemeinsam nahm man an mittlerweile legendären Happening-Abenden und einschlägigen Kunstevents teil. Heute gilt Forti als eine Schlüsselfigur sowohl der Minimal Art als auch des postmodernen Tanzes.

Junge Gegenwartskünstler sehen sie "fast als eine kleine Heldin", sagt Sabine Breitwieser. Sie hat für das Museum der Moderne in Salzburg Fortis erste große retrospektive Einzelausstellung organisiert. Beide hatten am New Yorker MoMA zusammengearbeitet, wo Forti mehrere Einzelprojekte realisierte und Breitwieser von 2010 bis 2013 Chefkuratorin im Bereich Medien und Performance war. Dass das so einflussreiche 50 Jahre umspannende Werk dieser "Pionierin" erst so spät umfassend ausgestellt wird, liegt offenbar vor allem an der Künstlerin selbst: "Ich persönlich finde, dass meine schönsten Arbeiten in Studiosituationen stattfinden", hat Forti einmal gesagt, "und ich wäre froh, wenn sie dort blieben."

Nun werden in Salzburg dennoch 200 ihrer Arbeiten ausgestellt, darunter Dokumentationen und Wiederaufführungen ihrer im Detail improvisierten "Tanzkonstruktionen": "Huddle" (1960) zum Beispiel, ein Knäuel aus Tänzern, aus dem sich eine Person herauslöst, um über die anderen hinwegzuklettern. Oder "Slant Board" (1961), wo die Performer mit Hilfe von Seilen auf steil an der Wand fixierten Holzplatten herumkraxeln. In "Hangers" (1961) wiederum stehen sie in von der Decke hängenden Seilschlaufen, was Forti als Erdung mit den Mitteln der Kunst versteht. Präsentiert werden außerdem neueste News Animations, in denen die 79-Jährige "körperlich empfundene" Alltagsbeobachtungen oder Tagesnachrichten problematisiert, sowie Soundarbeiten, Hologramme und Zeichnungen, die Forti unter anderem von den Tieren im römischen Zoo anfertigte. //
Mirja Rosenau