Dadaistin Sophie Taeuber-Arp in Aarau

Mittendrin in Dada

Sophie Taeuber-Arp, Mitbegründerin von Dada, wollte das Leben neu gestalten. Ihre Bilder waren eine Mischung aus Freiheit und Reflexion.
Mittendrin in Dada:Sophie Taeuber-Arp in Aarau

Porträt der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber-Arp, undatiert

Sie schien alles zu können und vieles zu wollen: Wer heute auf Sophie Taeuber-Arp zurückschaut, sieht eine Verfrühte, die vieles von dem vorweggenommen hat, was die Gegenwartskunst bestimmt.

Das beginnt schon bei ihrer Biografie. Sie wuchs nicht in einem der Zentren auf, sondern im appenzellischen Dorf Trogen, die Mutter brachte dort die fünf Kinder nach dem frühen Tod des Vaters mit Zimmervermietung durch. Die Ostschweiz war damals ein Zentrum der Textilindustrie, also besuchte die 1889 geborene Tochter in St. Gallen die Schule für angewandte Kunst, bevor sie sich in München und Hamburg weiterbildete und 1915 nach Zürich zog. Die handwerkliche Basis, das Gespür für Stoffe, konnte sie schnell mit den Zielen der neuesten Kunst verbinden: Die Moderne wollte nicht nur einzelne Kunstwerke hervorbringen, sondern das ganze Leben neu gestalten. Sophie Taeuber entwarf Kostüme, stattete 1918 ein Theaterstück von Carlo Gozzi aus, schuf Köpfe und Marionetten, designte Stoffe, später in Straßburg auch die Ausstattung fürs Kulturzentrum Aubette und lernte auf dem Monte Verità Ausdruckstanz bei Rudolf von Laban und Mary Wigman.

Als Künstler 1916 in Zürich die Kneipe Cabaret Voltaire eröffneten und Dada ins Leben riefen, war sie mit ihrem späteren Mann Hans Arp mittendrin. Wie die anderen protestierte sie mit künstlerischen Mitteln gegen Militarismus und Krieg in Europa. Aber sie wollte kein Gegenchaos.

Wie klar ihr Verstand war, zeigten schon früh ihre Bilder. Bereits 1916 malte sie völlig gegenstandsfreie Vertikal-Horizontale Kompositionen. Das war die Zeit, in der Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch ihre abstrakten Bildkonzepte entwickelten. Heute erkennt man ihre Gemälde in Ausstellungen an ihrer Mischung aus Freiheit und Reflexion. Kreis- und Wellenformen, Dreiecke und Linien, die gedeckten Farben verströmen Heiterkeit und Offenheit. Reliefs überführen das konstruktive Spiel überdies in den Raum.

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Am 5. Februar 1916 startet in Zürich eine Revolution: Während rundherum der Weltkrieg tobt, rebellieren im »Cabaret Voltaire« Künstler. Die Dada-Bewegung ist geboren – und wird die Kunst für immer ändern. Eine Einführung

Ihre Vielfältigkeit stand einem Markenzeichen und damit einer angemessenen Rezeption entgegen. Hinzu kam ihr tragischer Tod, als sie nachts wegen eines defekten Ofens 1943 im Haus von Max Bill an einer Kohlenmonoxidvergiftung starb. Sophie Taeuber wurde danach vor allem über Hans Arp wahrgenommen und trat hinter ihn zurück. Die Ausstellung im Aargauer Kunsthaus zeigt mithilfe der großen eigenen Bestände, die durch viele Leihgaben erweitert sind, die Verflechtungen und die ungestüme, sanftmütige Aktualität dieses Werks.

Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen

Aarau, Aargauer Kunsthaus, 23.08.2014—16.11.2014
http://www.aargauerkunsthaus.ch/de/ausstellungen/2014/?showUid=285&cHash=8c4953147daee9be85f94daaca64c948