Beijing-Berlin & Wang Shugang - Wedel

Kooperation über Kontinente

Eines Tages schlug der chinesische Maler Tan Ping seinen deutschen Kommilitonen eine "Zusammenarbeit im weltumspannenden Sinne" vor. Daraus geworden ist das "Beijing-Berlin-Projekt". Das Wedeler Ernst-Barlach-Museum zeigt nun die Ergebnisse des Gruppen-Experiments von deutschen und chinesischen Künstlern. Weiterhin ist auch die Einzelausstellung vom Träger des Ernst-Barlach-Preises 2014, Wang Shugang, zu sehen.

Am 3. und 4. Juni 1989 wurde der Aufstand der chinesischen Demokratiebewegung auf dem Tian'anmen-Platz in Peking niedergeschlagen. Der chinesische Maler Tan Ping (Jahrgang 1960), heute Vizepräsident der Central Academy of Fine Art in Peking, verließ sein Land und kam an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin unter, wo just die Mauer gefallen war.

Auch sein Landsmann Wang Shugan machte sich 1989 nach Deutschland auf. Beide Künstler stehen jetzt im Mittelpunkt von zwei Ausstellungen im Ernst-Barlach-Museum in Wedel bei Hamburg: Wang Shugang erhält den mit 5000 Euro dotierten Ernst-Barlach-Preis, und Tan Ping präsentiert die Ergebnisse einer Gemeinschaftsarbeit Pekinger und Berliner Künstler, das "Beijing-Berlin-Projekt".

Buddhistische Mönche und "Blaue Ameisen"

Wang Shugang (Jahrgang 1960) studierte Bildhauerei an der Central Academy of Fine Arts. Nach seinem Abschluss wurde er als Mitarbeiter des Stadtplanungsbüros verpflichtet, das er aber nach einem Jahr verließ, um als freier Künstler zu leben. 1989 emigrierte er nach Deutschland. Er lebte und arbeitete als Bildhauer im Ruhrgebiet und kehrte erst 2000 wieder in seine Heimat zurück. Wang Shugang formt aus knallrotem oder schwarzem Polyester, auch aus Bronze und Marmor, Figuren, die trotz des neuzeitlichen Materials klassische Themen aufgreifen: disputierende buddhistische Mönche und Arbeiter im traditionellen Blaue-Ameisen-Look, der inzwischen eingemottet wurde.

"Zusammenarbeit im weltumspannenden Sinne"

Das Projekt "Beijing-Berlin" basiert auf dem Zusammentreffen von Tan Ping mit den deutschen Kommilitonen Andreas Amrhein (Jahrgang 1963) und Rüdiger Schöll (Jahrgang 1957) in der Druckwerkstatt der Hochschule der bildenden Künste Berlin: Eines Tages schlug Tan Ping das Experiment einer "Zusammenarbeit im weltumspannenden Sinne" vor. Das heißt: grafische Arbeiten getrennt und doch zusammen erstellen – in Deutschland Radierungen, in China Holzschnitte, in den den traditionellen Techniken Europas und Asiens. Nur die Größe und Anzahl der Druckplatten ist festgelegt, auf den Kupferplatten und Druckstöcken arbeitet Teilnehmer jeder individuell. An der Druckpresse werden die einzelnen Druckstöcke in verschiedenen Farbschichten übereinander gedruckt. Die vier Beiträge verschmelzen so zu einer Arbeit. Die Ergebnisse dieser Kooperation sind jetzt im Ernst-Barlach-Museum zu sehen.

Beijing-Berlin-Projekt & Wang Shugang – Barlach Preis 2014

Ernst-Barlach-Museum, Wedel bei Hamburg, bis 11. Januar 2015
http://www.ernst-barlach.de/berlin-beijing-projekt.html