Here and Elsewhere - New York

Spiel mit dem Unwissen

Die bewegende Ausstellung "Here and Elsewhere" im New Yorker New Museum räumt mit Vorurteilen über den Nahen Osten auf.

Als die Ausstellung Mitte Juli eröffnet, hat sich der Konflikt zwischen Israel und der Hamas verschärft.

Die israelischen Behörden verweigern dem Palästinenser Khaled Jarrar die Ausreise, so dass er nicht zur Podiumsdiskussion nach New York reisen kann. Jarrar ist mit einer Videoarbeit in der bewegenden Ausstellung "Here and Elsewhere" im New Museum vertreten, die über 45 zeitgenössische Künstler aus der arabischen Welt vereint. Er filmte, wie Palästinenser versuchen, die von den Israelis errichtete Mauer im Westjordanland illegal zu überqueren, wie Mutter und Tochter sich durch einen Spalt in der Mauer berühren und wie es sich im Schatten der Sperranlage lebt, die Menschen von ihrer Familie, von Schulen, Ärzten oder ihrem Stück Land trennt.

Mit dem Nahen Osten verbindet der Westen Bilder von Krieg und Radikalismus. Meinungen stehen, Vorurteile wollen bestätigt werden. Dabei sei die Politik für saubere Definitionen zu kompliziert, so die Beiruter Kritikerin Kaelen Wilson-Goldie im Katalog. Zeitgenössische Kunst aus dem Nahen Osten müsse anders betrachtet werden.

Genau dazu fordert die von Massimiliano Gioni kuratierte Schau auf. Künstler wie Wael Shawky spielen mit dem Unwissen. Der Ägypter läuft aus dem Koran rezitierend durch Supermärkte und wirkt für westliche Augen und Ohren wie ein TV-Reporter, der über dramatische Ereignisse berichtet. Adel Abidin lässt eine Blondine im westlichen Popstar-Outfit auftreten. "Lasst uns Amerika von der Landkarte löschen", singt sie auf Arabisch aus Hetzschriften, die Saddam Hussein in Auftrag gab.

Andere Künstler suchen mit Fotos nach ihrer Identität oder der ihrer Heimat. Sie geben Vertriebenen eine Stimme, malen sich Gewalt und Schmerz von der Seele. Rokni Haerizadeh verwandelt Nachrichtenbilder von politischen Demonstrationen meisterhaft in skurrile Fabeln des Grauens. Ahmed Mater aus Saudi-Arabien zeigt anhand der mit Handys gefilmten Videos von Bauarbeitern in Mekka, wie sie für Löhne streiken und der Wallfahrtsort des Islam sein Gesicht verliert, indem alte Gebäude abgerissen werden. Man sieht Häuser, die gesprengt werden, in sich zusammenfallen und Staubwolken hinterlassen. Maters Bilder lassen Erinnerungen an den 11. September wach werden.

Doch die Welt hat sich, wie Shuruq Harb zeigt, längst weitergedreht. Die palästinensische Künstlerin füllte eine Wand mit Fotos von türkischen Soap-Opera-Stars, indischen Beauty-Queens, Fußballern und Bildern von Osama bin Laden, die der Straßenhändler Mustafa in Ramallah verkauft. Die Leute seien nicht mehr politisch, sie fragen nur noch nach Fotos von Stars, so Mustafa. Er will sich eine andere Arbeit suchen. Eine, die nicht sündhaft ist.

Here and Elsewhere

New York, New Museum, bis 28.09.2014
http://www.newmuseum.org/exhibitions/view/here-and-elsewhere