Marlene Dumas - Amsterdam

Szenen wie aus Hollywood

Verängstigungen, Beklemmungen, Irritiationen – die düsteren Arbeiten von Marlene Dumas lösen beim Betrachter heftige Emotionen aus. Das Stedelijk Museum zeigt nun die erste Einzelausstellung in der Wahlheimat der südafrikanischen Malerin seit über 20 Jahren.

Die Vorlagen zu ihren Zeichnungen und Gemälden findet Marlene Dumas meist in Zeitschriften.

Was sie aus dem banalen Ausgangsmaterial macht, löst beim Betrachter jedoch heftige Emotionen aus – manchmal sind es Verängstigung oder Beklemmung, immer aber Irritiationen – ihre oft bleichen, manchmal düsteren Menschenbilder lassen niemanden unberührt und haben Dumas zu einer der wichtigsten Gegenwartskünstler der Welt gemacht. Sie nahm an den documenta-Schauen 1982 und 1992 teil, an den Biennalen von Venedig, Johannesburg, São Paulo und Sydney. Seit mehr als 40 Jahren lebt die Künstlerin in den Niederlanden, hatte aber in ihrer Wahlheimat seit über 20 Jahren keine Ausstellung mehr gehabt.

Das wird jetzt gründlich nachgeholt. Das Stedelijk Museum, das 1978 die erste Schau der damals 25-Jährigen zeigte, richtet jetzt die bislang größte Dumas-Retrospektive in Europa aus, kuratiert von Leontine Coelewij. Rund 100 Gemälde und Zeichnungen der vergangenen 40 Jahre werden gezeigt, darunter Arbeiten der letzten Zeit wie das kontroverse Porträt von Osama bin Laden von 2010 – das Stedelijk hatte es einen Tag nach dem 11. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center angekauft. Außerdem zahlreiche Serien, unter anderen die Modelserie aus den neunziger Jahren: 100 auf Papier gemalte Porträts, auf denen die in Südafrika geborene Künstlerin Fotomodelle auf bleiche, dem Betrachter schutzlos ausgelieferte Gesichter reduziert und das Wichtigste, den Körper, weggelassen hat.

Fast die Hälfte aller Arbeiten stammt aus Privatbesitz, so auch das Gemälde "The Image as Burden" von 1993, nach dem die Schau benannt ist: Dieses Schlüsselwerk zeigt einen Mann, der eine Frau auf den Armen trägt – eine Szene, die einerseits an klassische Hollywoodfilme erinnert, andererseits an aktuelle Bilder aus den Medien von Flüchtlingen in Krisengebieten. Der Titel verweist auf die Verantwortung, die der Künstler auf sich nimmt, wenn er ein Bild schafft: "Ein Negativimage zum Beispiel lässt sich so leicht nicht mehr abschütteln", erklärt Coelewij, "und ein unerwünschtes Bild aus dem Internet nicht mehr entfernen."

Vielen Motiven ist die Künstlerin im Laufe der Jahrzehnte treu geblieben. Mit "The Widow" zum Beispiel, einem ihrer jüngsten Gemälde, griff sie 2013 ein Motiv wieder auf, mit dem sie sich schon 1982 auseinandergesetzt hatte: Es zeigt Pauline Lumumba, die Witwe des ersten Premiers des unabhängigen Kongos, der 1961 mit Hilfe und Wissen der belgischen Regierung ermordet wurde.

Marlene Dumas – The Image as Burden

Amsterdam, Stedelijk Museum, 6.9.2014 bis 4.1.2015
http://www.stedelijk.nl/en/exhibitions/marlene-dumas-the-image-as-burden

Mehr zum Thema auf art-magazin.de