Kunstpreis der Böttcherstraße - Bremen

Paragone 3.0

Bremen kürt zum 44. Mal den Gewinner des Kunstpreises der Böttcherstraße. Neun Räume, zehn Künstler und ein Ziel: den Preis mit nach Hause nehmen.

In Bremen wird zum 44. Mal der mit 30 000 Euro dotierte Kunstpreis der Böttcherstraße verliehen. Die nach dem Umbau 2011 wiedereröffnete Bremer Kunsthalle bietet den Künstlern dafür die Bühne.

In neun Räumen, die zum Teil historisch, zum Teil Neubau sind, geht der Besucher durch die einzelnen Ausstellungen der Nominierten. Wer die Jury, bestehend aus Mario Ackermann, Ulrike Groos, Fabrice Hergott, Thomas Kellein und documenta-14-Kurator Adam Szymczyk, überzeugt hat, wird sich am 21. September herausstellen. Schon jetzt können sich Besucher ihr eigenes Urteil bilden.

Für Kuratorin Eva Fischer-Hausdorf ist eines klar: Das Auswahlverfahren der Künstler erfolgt neutral und ermöglicht somit Chancengleichheit. Dabei nominieren zehn hochrangige Kunstexperten jeweils einen Künstler. Jeder Künstler kann dann selbst entscheiden, was er ausstellt, welche Medien er verwendet und wo er seine Arbeit platziert. Es gibt keine Eingrenzungen, keine Regeln.

Der erste Raum der Ausstellung zeigt Werke des aus Rügen stammenden Künstlers Sven Johne. In seinem knapp 18-minütigen Film erzählt die Schauspielerin Tatja Seibt von ihrem Sohn Erik und dessen Auf- und Abstiegen. Alles geleitet von der Frage nach dem Glück, dem Geld, der Macht. Parallel dazu werden auf zwei gegenüberliegenden Wänden Fotografien gezeigt. Die einen konnotieren Glück, Reichtum und ein Stück Paradies, indem sie die exotischen Inseln der südpazifischen Koko Tubana Islands zum Verkauf anpreisen. Die Fotografien der anderen Seite zeigen Tanker, die Arbeit, Mühe, Rastlosigkeit symbolisieren.

Im nächsten Raum erwarten den Besucher sieben Paar lilafarbene Asics-Laufschuhe, fein aufgereiht und mit Silikonmasse gefüllt. Die Künstlerin, Pamela Rosenkranz, die nächstes Jahr den Schweizer Pavillon bei der Biennale in Venedig bespielen wird, wurde von Susanne Pfeffer, Kuratorin und Direktorin des Fridericianums, nominiert. Die Silikonmasse, gefärbt mit verschieden farbigen Pigmenten, erlaubt Assoziationen zu Menschen unterschiedlicher Herkunft. Während zwölf Schuhe perfekt befüllt sind, ist ein Paar etwas bekleckert, sozusagen in der Reihe aus der Reihe. Ohne Begleittext ist diese Arbeit kaum zu verstehen. Dafür gibt es dann den 143-seitigen Katalog. Hier wird erklärt, dass es sich um die Einheit zwischen Körper und Geist und um den allgegenwärtigen Konsum in Form von Turnschuhen handelt.

Nach dieser simplen, fast minimalistischen Darstellung erschlägt der nächste Raum vor lauter Vielfalt. Zentral platziert steht ein großer gläserner Merkaba-Stern mit integrierten LED-Lampen. Der jüdischen Kabbala-Tradition nach leuchtet er, wenn die Dinge im Gleichgewicht sind und Vollkommenheit erreicht ist. So scheint es, versucht der Künstler seine eigene Vollkommenheit zu beweisen. Zum Glück steht auf dem Boden ein kleiner Laptop, auf dem die Besucher die Lampen selbst regulieren, und entscheiden können, ob der Künstler Dirk Bell der Bezeichnung "vollkommen" würdig ist oder nicht.

Nach vier weiteren Räumen voll von figurativen Tischbeinen, Poesie ("I made love to myself in the mirror kissing my own lips" Zitat Allen Ginsberg), Flugzeugdecken und radioaktiven Steinen gelangt der Besucher zu Nina Beier. Die dänische Künstlerin, nominiert von Bettina Steinbrügge aus dem Kunstverein Hamburg, übt mit ihrer Arbeit Sozialkritik. Auf drei Stapeln handgewebter Perserteppiche liegt jeweils eine Bronzestatue, darunter Zehn- und Zwanzigeuroscheine geklemmt. In der Ecke stehen zwei Hundenäpfe. Der Eine beinhaltet künstliche Tränen, der andere künstlichen Schweiß. Der Katalog erklärt, dass die Flüssigkeiten in der Industrie und Medizin verwendet werden, hier aber für schlechte Arbeitsbedingungen und Schmerz stehen. Ein Kreislauf, der mit den Teppichen und den wie Leichen liegenden Figuren zum Nachdenken anregt.

Das Prinzip, alle Nominierten zu zeigen, wird von vielen Kunstpreisausstellungen praktiziert: Visual Leader Award, Preis der Nationalgalerie oder der Turner Preis. Der Vorteil, auch hier in Bremen, ist die Präsentation verschiedener Ausstellungen und der Einbezug der Besucher. Sie werden nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, sondern können alle Mitstreiter und potenziellen Gewinner sehen. Schade nur, dass der Besucher, nicht unbedingt Kunstexperte, ohne Katalog nicht auskommt. "Sometimes it is about the painting but most of the times it is not" – das in Riccardo Paratore Präsentation eingebundene Zitat gibt ein Sinnbild der Ausstellung. Die Werke haben Tiefe, aber diese zu ergründen ist eine Wissenschaft für sich.

Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen

Kunsthalle Bremen, bis 5. Oktober 2014
https://www.kunsthalle-bremen.de/kunstverein/ueber-uns-kv/kunstpreis-der-boettcherstrasse/

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