Max Beckmann - Hamburg

Richtmaß: die Alten Meister

Zum ersten Mal stehen die Stillleben des deutschen Expressionisten im Mittelpunkt einer Themenschau. Rund 80 Gemälde und Aquarelle aus illustren Museen und Privatsammlungen werden in der Hamburger Kunsthalle präsentiert.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in den zwanziger Jahren, dominierten Abstraktion und Kubismus die europäische Kunstszene, klassische Gattungen wie Landschaften, Stillleben oder Porträts waren nicht mehr angesagt.

"In der Figuration lebten sie wie selbstverständlich weiter", schreibt der Hamburger Kunsthistoriker Uwe M. Schneede in seiner Beckmann-Biografie "Der Maler in seiner Zeit". Da Max Beckmann (1884 bis 1950) sein "Richtmaß bei den Alten Meistern holte", habe der Künstler auch 
an Stillleben festgehalten, die "entscheidende Beiträge zur Ausformung der spezifischen Beckmannschen Bildsprache leisteten".

Zum ersten Mal widmet sich nun eine Ausstellung ausschließlich Beckmanns Stillleben: Die Hamburger Kunsthalle, deren Direktor Schneede von 1991 bis 2006 war, hat rund 80 Gemälde und Aquarelle aus den Jahren 1906 bis 1949 versammelt. Der zeitliche Rahmen reicht von den frühesten Gemälden über die Jahre des Ersten Weltkriegs, dessen Schrecken Beckmann als Sanitäter erlebt hat. Es folgen Werke aus der Frankfurter Zeit von 1925 bis 1933, in der er an der Städelschule lehrte, aus dem Amsterdamer Exil, in das er am 19. Juli 1937 ging, am Tag der Eröffnung der Ausstellung "Entartete Kunst"; nach dem Krieg hielt sich Beckmann noch zwei Jahre in den Niederlanden auf. Die letzten Bilder entstanden in der US-amerikanischen Emigration, wo er am 27. Dezember 1950 starb.

Aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle stammt ein "Großes Fisch-Stillleben" von 1927 – tote Fische, starr, mit aufgerissenen Mäulern, die zum Transport in bereitliegendes Zeitungspapier gewickelt werden sollen. Es vereint alle Merkmale, die für die meisten Stillleben von Beckmann gelten: Der gesamte Bildraum ist bis an die Ränder dicht gefüllt mit kompakt gestaffelten, kräftig konturierten Motiven.

Illustre Museen und Privatsammlungen lieferten Leihgaben, darunter das Baltimore Museum of Art, das Museum of Fine Arts Boston, das Museum der bildenden Künste Leipzig, die Pinakothek der Moderne, München, die Staatsgalerie Stuttgart und das Hirshhorn Museum, Washington DC.

Max Beckmann. Die Stillleben

Termin: bis 18. Januar, 2015. Der Katalog zur Ausstellung ist im Prestel Verlag erschienen und kostet 49,95 Euro.

Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten Abonnenten ermäßigten Eintritt.
http://www.hamburger-kunsthalle.de/index.php/Max-Beckmann-Stillleben/articles/Max-Beckmann-Stillleben.html