"Future of Fashion" - Rotterdam

Futuristische Mode in Kinderschuhen

In Rotterdam werden futuristische Modekreationen präsentiert von schwarzer Eleganz bis hin zu buntem Irrsinn
Mode von morgen:In Rotterdam werden futuristische Modekreationen präsen

Ana Rajcevic: "Animal - The Other Side of Evolution", 2012

Die Zeiten des stetigen Wandels und der fortschreitenden Digitalisierung lassen auch die Modeindustrie nicht unberührt. In Rotterdam werden die neusten Ideen, Designs und Herstellungsmethoden gezeigt und beweisen, dass die Grenze zwischen Mode und Kunst zunehmend verschwimmt.

Dank Designer Craig Green könnte die Redewendung "Ein Brett vorm Kopf haben" eine völlig neue Bedeutung bekommen. Während bislang vermieden wurde mit dem Ausdruck in Verbindung gebracht zu werden, ist es in 30 Jahren vermutlich das größte Modekompliment. Der Brite zeigt in seinen Kreationen, dass es durchaus elegant sein kann, das Gesicht hinter Holzbrettern oder Stofffetzen zu verbergen. Er und andere internationale Designer präsentieren auf 1500 Quadratmetern im Museum Boijmans Van Beuningen ihre Interpretation von zeitgenössischer Kleidung. Auch das niederländische Designerduo Viktor & Rolf stellt ihre Vision vor. Sie wollen den Kunden ermöglichen mit der neuen Kleidung langsamer und spiritueller durch den Alltag zu gehen. Mit simplen Schnitten und fließenden schwarzen Stoffen ergibt sich ein angenehmer Kontrast zu der sonst allgegenwärtigen Hektik. Und wessen Handyakku leer ist, muss nicht nach Hause sprinten, sondern kann es ganz bequem dank Pauline van Dongens Projekt "Wearable Solar Project" unterwegs mit seiner Solarjacke wieder aufladen. Modisch sieht die Jacke aus, wie Haute Couture des Modelabels Maison Martin Margiela: minimalistisch, elegant, zeitlos. Auf der einen Seite geht es in der Zukunft also um Bequemlich- und Lässigkeit. Der Mensch als wandelbares Chamäleon ist der andere Anspruch an die Mode. Die Designer wollen dem Menschen die Chance geben, ihre gewöhnliche Körperform zu verlassen, um neue Formen zu entdecken. Ermöglicht wird das durch Hüte die als Kopfverlängerung dienen, Schulterpolster, die an den Ohrläppchen beginnen oder zusätzlich angenähten Armen. Wie alltagstauglich zwölf weitere Stoffarme sind wird sich zeigen. Aus heutiger Sicht scheint das doch eher kunstvoll als praktisch und im Alltag umsetzbar. Das wichtigste ist und bleibt aber Individualität und Nachhaltigkeit. Ja, auch in futuristischen Modekreationen ist das Thema Ökologie ein wichtiger Angelpunkt. Carole Collet ist momentan auf der Suche nach nachhaltigen Materialien und arbeitet mit Basilikum- und Erdbeerstauden, aus denen sie verschiedene Stoffmuster züchtet. Im nächsten Sommer also nicht nur die rote Frucht genießen, sondern auch den Rest kunstvoll und modisch weiterverwerten.