No more Bad Art - New York

Stoppt schlechte Kunst!

Im MoMA PS1 kann man jetzt schlechte Kunst im Müllcontainer entsorgen – art-Korrespondentin Claudia Bodin berichtet aus New York.

Wer schlechte Kunst produziert, sie loswerden will und sich danach sehnt, seinem Dasein als mieser Künstler ein Ende zu bereiten, kann endlich auf Erlösung hoffen: Der britische Künstler Patrick Brill, der unter dem Namen Bob and Roberta Smith arbeitet, stellt von Ende Oktober bis März 2015 Müllcontainer im Hof des MoMA-Ablegers PS1 auf. Wer will, kann seine Arbeit sogar ein letztes – und höchstwahrscheinlich das einzige – Mal ausstellen, bevor sie zu Grabe getragen wird. Im zweiten Stock des Museums wird eine Galerie für die künstlerischen Fauxpas eingerichtet.

Die kreative Müll- und Seelenentsorgung kann viele Gründe haben: Vielleicht hat der Künstler ein bestimmtes Medium niemals gemeistert, und die kläglichen Beweise stapeln sich im Atelier oder in der Wohnung? Vielleicht hat der Galerist den Künstler fallen lassen, und niemand weiß, wohin mit den Werken? Vielleicht will jemand auch ganz einfach einen Strich unter leidvolle Jahre als unentdeckter Künstler ziehen, sich von dem Ballast befreien und endlich ein friedvolles Leben ohne kreative Kämpfe beginnen? "Art Amnesty" nennt Bob and Roberta Smith sein Projekt, dass er zum ersten Mal 2002 in der Galerie Pierogi zeigte, die damals eine der ersten in Brooklyn war.

"Viele erfolgreiche Künstler haben sich in jüngster Zeit peinlich berührt dazu geäußert, dass ihre Arbeiten hohe Preise erzielen", schrieb der Künstler in einem Statement. "Die Künstler mögen 'Art Amnesty' als Gelegenheit nehmen, bestimmte Arbeiten vom Kunstmarkt zu verbannen und sie in den Zustand eines Objekts zurückzuversetzen, das von großen Erwartungen und zerschmetterten Träumen erleichtert wurde." Wer noch weiter gehen will, gibt eine Erklärung ab, seinem Künstler-Dasein ein endgültiges Ende zu bereiten. John Baldessaris Aufruf "I Will Not Make Any More Boring Art" von 1971 würde nicht ausreichen, meint Provokateur Smith. Er wird Erklärungen auslegen, in denen verzweifelte Seelen unterschreiben, niemals wieder Kunst zu machen. Wer den Schritt wagt, erhält eine Plakette mit der Aufschrift: "I AM NO LONGER AN ARTIST" und kann zum großen Finale eine seiner Arbeiten in der Galerie im PS1 ausstellen.

Es ist ein cleveres Spiel mit der Eitelkeit, der Verzweiflung, dem Kampf und der ewigen Hoffnung, irgendwann doch noch als Künstler entdeckt zu werden – und jede Chance zu nehmen, seine Arbeiten einer großen Öffentlichkeit, in diesem Fall sogar in einem Museum, vorzuführen. Der 50-jährige Musiker und Künstler Bob and Roberta Smith ist ein absoluter Verfechter der Kunst – ob guter oder schlechter. Der Engländer absolvierte nach seinem Studium eine Ausbildung als Schildermaler in New York. Slogans, mit denen er jede Form von elitärem Denken attackiert und mehr Kreativität in Schulen oder auch in der Politik fordert, bestimmen seitdem seine Kunst.

Er malt absurde Statements wie "Buy me a nice scarf" (2006), Slogans wie "Make Art Not War" (1997), schreibt gesellschaftliche Regeln, mit denen es zu brechen gilt, in altmodischer Schrift auf Schilder, macht seine eigene Radio-Show, tritt mit einer Band auf und unterrichtet an der London Metropolity University. Als Prinz William and Kate Middleton heirateten und die halbe Welt wegen der könglichen Hochzeit Kopf stand, setzte sich der Künstler mit zwei primitiven, aus Müll zusammengeschusterten Skulpturen, die William und Kate darstellten, auf die Straße, hielt eine leere Katzenfutterdose in der Hand und bat um Geld. Das Leben als Künstler sei hart, stand auf einem Pappschild. Die Kultur-Budgetkürzungen seiner Regierung würden es nicht besser machen. Der Künstler ist der Meinung, dass die Royals vom Volk gewählt werden sollten. Louise Bourgeois hätte seiner Meinung nach eine wundervolle Königin abgegeben.

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