Die Kathedrale - Köln

Der Zauber von Notre-Dame

Künstler malen Gotteshäuser – eine spannende Zeitreise vom 19. Jahrhundert bis heute

Man muss nicht unbedingt Christ sein – selbst hartgesottene Atheisten können sich dem Zauber, der Würde und der Spiritualität der großen Kathedralen nicht entziehen.

Auf Künstler wirkten Gotteshäuser inspirierend – der Renaissance-Maler Gentile Bellini etwa malte grandiose Ansichten des venezianischen Markusdoms; Kathedraleninterieurs von erhabener Stille und Größe fertigte der Niederländer Pieter Jansz. Saenredam im 17. Jahrhundert.

Auch Maler der nachfolgenden Jahrhunderte haben immer wieder Bischofskirchen gemalt. Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum zeigt nun, wie sich Künstler von der Romantik bis zur Gegenwart des Themas angenommen haben. "Die Kathedrale" lautet der schlichte Titel der Schau, zu der 180 Beispiele aus internationalen Sammlungen ins Haus am Rhein gekommen sind.

Der chronologische Weg durch die Ausstellung wird eröffnet mit den Romantikern, etwa Caspar David Friedrich mit dem Gemälde Gartenlaube in Greifswald, auf dem der dom st. nikolai, magisch beleuchtet, den Hintergrund dominiert, und dem düster-geheimnisvollen Kreuz im Gebirge oder John Constables Kathedrale von Salisbury, die malerisch in grüner Landschaft residiert.

Über Johan Barthold Jongkind ("Die Seine und Notre-Dame") kommt der Besucher zu einem der Höhepunkte der Schau: Der französische Impressionist Claude Monet hat 33 Kathedralen-Bilder gemalt, vor allem das Gotteshaus in Rouen hatte es ihm angetan. Vier dieser Bilder, die, aufgelöst in winzige Farbpartikel, in Licht und Luft zu zerfließen scheinen, sind in Köln zu sehen. Sein Landsmann, der Spätimpressionist Maximilien Luce, hat sich der Pariser Hauptkirche Notre-Dame gewidmet und das Gebäude mit einer lebhaften Straßenszene kombiniert.

Auch die Maler der Klassischen Moderne konnten der Anziehungskraft der großen Kirchen nicht widerstehen. Ernst Ludwig Kirchner malte den Frankfurter Dom in schrillen Rot-Tönen, Lyonel Feininger verwandelte die Hallenser Marienkirche zur Abendstunde in ein Ensemble aus lauter Prismen, bei Robert Delaunay wird die Kirche Saint Séverin in Paris zu einer Sinfonie in Blau, und Pablo Picasso zerlegte Notre-Dame in kubistische Formen. Wie Monet, so hatte sich Roy Lichtenstein wohl in die mächtige Kathedrale von Rouen verliebt: Auch er griff das Prinzip der Serie auf und zeigt die Kathedrale Notre-Dame in wechselnden Farben.

Die Kathedrale. Romantik – Impressionismus – Moderne

Köln, Wallraf-Richartz-Museum
26.09.2014—18.01.2015
Impressionismus – Moderne target="_blank">http://www.wallraf.museum/ausstellungen/vorschau/2014-09-kathedrale/