David Lynch - Philadelphia

Gewalt, Wahnsinn, Verzweiflung

David Lynch, der Meister des surrealen Kinos, ist nicht nur ein großartiger Regisseur, sondern auch ein ausgezeichneter Maler. In Philadelphia wird er nun mit einer Retrospektive geehrt.

Lynch, der in Filmen wie "Mulholland Drive" oder der Kultserie "Twin Peaks" obskure, finstere Geschichten erzählt, brachte Fotobücher und Musik-Alben heraus. Dass der Regisseur und Drehbuchautor, der Künstler wie Cindy Sherman oder den Fotografen Gregory Crewdson beeinflusst hat, obendrein selbst malt, dürfte dagegen viele überraschen.

Er begann seine künstlerische Laufbahn 1966 mit einem Studium an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia. Die zwei Jahre an der Kunstschule und vor allem sein Aufenthalt in Philadelphia von 1965 bis 1970, als die Stadt von Armut und Zerfall geprägt war, haben ihn stark geprägt, so der heute in Los Angeles lebende Lynch. "Philadelphia hatte diese Art von Kohlestaub-Patina und eine Stimmung, die einfach spektakulär war", erzählte der 68-Jährige der "New York Times", "Gewalt und Angst, Korruption und Wahnsinn, Verzweiflung, Trauer waren die Atmosphäre."

Es war Lynchs frühere Lebensgefährtin Isabella Rossellini, die dem Künstler seine erste Ausstellung ermöglichte, Der Star aus "Blue Velvet" zeigte dem legendären Kunsthändler Leo Castelli Arbeiten des Regisseurs. 1989 hatte Lynch eine Ausstellung in Castellis Galerie in New York. Doch so richtig abheben sollte seine Karriere als Maler nicht. Erst 18 Jahre später organisierte die Pariser Fondation Cartier eine große Ausstellung, die nach Mailand, Moskau und Kopenhagen wanderte.

Zerfall und Zerstörung

Die grotesken Kreaturen in Lynchs Bildern versuchen, mit überlangen, unkontrollierbaren, mechanischen Armen ihr Lebensgeschick zu steuern oder sind gewaltvollen Handlungen ausgesetzt. Ihre Welt ist von Zerfall und Zerstörung bestimmt. Lynch arbeitet mit Collagen und bizarren Textbotschaften in kindlicher Schrift. Der Filmemacher erinnert sich noch an die Nacht in seinem Atelier 1967, als sich die Pflanzen in seinen Bildern auf einmal bewegten und er den Sound des Windes hörte, der von der Leinwand blies. Bewegte Malerei, sagte er sich damals und arbeitete als nächstes an einer Installation, für die er Abdrucke seines eigenen Kopfes auf eine Leinwand beförderte und eine Animation mit qualvoll leidenden Schädeln auf die Leinwand projizierte. Die Arbeit "Six Men Getting Sick" wird zum ersten Mal seit 1967 in einer Ausstellung gezeigt. Sie öffnete die Türen zu Lynchs späteren Filmen, bei denen er stets auf der Suche nach der bewegten Malerei bleiben sollte. Einige Leute sehen Dunkelheit, hat Lynch über seine Filme und Bilder gesagt. Manche sehen Humor, einige Licht – und einige gehen einfach davon.

David Lynch: The Unified Field

Termin: bis 11. Januar, Museum der Pennsylvania Academy of the Fine Arts
http://www.pafa.org/davidlynch/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de