Wilhelm Morgner - Hamburg

Inneres Glühen

Er starb viel zu früh – dennoch wurde Wilhelm Morgner in nur vier Schaffensjahren zu einem Protagonisten des westfälischen Expressionismus. Eine Ausstellung im Ernst-Barlach-Haus in Hamburg zeigt seine von 1910 bis 1913 entstandenen Werke.

Wilhelm Morgner war Künstler mit Leib und Seele. Als er einen Holzarbeiter malte, "brannte mir der Kopf, dann war -meine ganze Haut glühend heiß", so schrieb er 1910 an den Malerkollegen Georg Tappert. Dieses innere Glühen kann der Betrachter auch heute gut nachvollziehen: Der Arbeiter, in leuchtendes Türkis gekleidet, kauert auf einem rot-blau getupften, flimmernden Feld, umgeben von einer flammenden Aura aus spiralförmig-rotierendem, glühendem Sonnenlicht – später verselbstständigten sich solche Erscheinungen zu dramatischen abstrakten Kompositionen.

Arbeiter waren ein Lieblingsthema des Westfalen (1891 bis 1917) – Steinbrecher, Maurer, Ziegelbrenner. Daneben malte er aber auch intime Szenen wie "Mutter mit Kind auf blauem Korb", religiöse Sujets, etwa eine "Kreuzabnahme" oder die in Bewegungsstudien aufgegliederte "Himmelfahrt". Das Ernst-Barlach-Haus im Hamburger Jenischpark zeigt jetzt eine Ausstellung des früh Gestorbenen, hauptsächlich mit Leihgaben aus dem Wilhelm-Morgner-Haus in Soest. Morgner gilt heute als ein Protagonist des westfälischen Expressionismus. Schon früh beteiligte er sich an Ausstellungen der "Neuen Sezession" in Berlin, des "Blauen Reiters" in München und des "Sonderbunds" in Köln. Er hatte nur vier Jahre, um ein großartiges Werk zu schaffen – er fiel am 16. August 1917 an der Westfront in Flandern. In seinem Gepäck fand man sein letztes Werk: die Radierung "Große Kreuzigung", auf ein Dosenblech geritzt.

Wilhelm Morgner. Malerei 1910–1913

12. Oktober 2014 bis 1. Februar 2015,
Ernst-Barlach-Haus,
Hamburg

Der Katalog zur Ausstellung kostet ca. 19,80 Euro.
Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.
http://www.barlach-haus.de/