Cosima von Bonin - Wien

Stofftiere und Raketen

Ihre Plüschtiere mögen auf den ersten Blick niedlich erscheinen, auf den zweiten sind sie es definitiv nicht. Zudem bereitet Künstlerin Cosima von Bodin den Besuchern ihrer Ausstellung im Wiener Mumok einen seltsamen Empfang, der als spektakulärer Auftakt für einen Weg durch ihr Universum gesehen werden kann.

Die Botschaft an Wien ist dann doch recht klar, zumindest für die Meisterin des selbstreflexiven Eigenzitats, Cosima von Bonin: An der schlichten Fassade des Museums Moderner Kunst (Mumok) wird ein spießiger Balkon die zu ihrer ersten Wiener Retrospektive anrückenden Besucher begrüßen. Wenig freundlich, denn auf sie wird heruntergekotzt.

Von einer Figur, an deren langer Nase eine Fahne mit einem Bild von Österreichs allerheiligstem Vorzeige-Bürgerschreck hängt, Thomas Bernhard. Cosima von Bonin, Jahrgang 1962, hat sichtlich das nötige ambivalente Verhältnis zum aktuellen Aufführungsort ihrer Konzept-Pop-Kunst, ihrer alten Heimat Österreich.

Im von Bernhard verhassten Salzburg aufgewachsen, verschlang von Bonin schon als Jugendliche die Bücher des in den siebziger und achtziger Jahren tatsächlich skandalösen, noch nicht staatskünstlerisch vereinnahmten Autors. Es sei ihre Erlösung vor der Salzburger Langeweile gewesen, erzählt Karola Kraus, ­­Direktorin des Mumok und Kuratorin der Ausstellung. Der "kritisch-psychologisch aufge­ladene Blick auf das eigene Kunst­system", der von Bonin mit dem Schriftsteller verbinde, sei aber nicht der vorrangige Grund für diese um­fassende Retrospektive gewesen, so Kraus. Vor allem erscheine ihr von Bonin als eine der "wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation". Also längst "Zeit für den großen Auftritt!", meint die Direktorin.

Vom Einzelobjekt aus den neunziger Jahren bis zu den raumgreifenden Installationen der jüngeren Jahre kann man so die Werkentwicklung verfolgen. Performance und Musik dürfen in von Bonins Kosmos natürlich auch in Wien nicht fehlen. Die Sponti-Gruppen "The Ypsilon Five" und "The 3 Ypsilons", aus dem Freundeskreis der Künstlerin gebildet, werden zur Eröffnung einschreiten – bei der Ausstellung im Kunsthaus Bregenz 2010 etwa haben sie die Vernissage-Besucher schlicht hinauskomplimentiert. "Wir lassen uns überraschen", freut sich Kraus hörbar.

Im obersten Stockwerk wird sich das "Imperium der Cosima von Bonin", so die Kuratorin, in einer großen, "unglaublich vollen" Installation ­ma­nifestieren: Auf und unter großen ­Tischen werden sich Stofftiere und Raketen zu eintöniger Musik von Moritz von Oswald räkeln. Nur auf den ersten Blick eine "niedliche Situation", findet Kraus, auf den zweiten Blick geht es hier um Existenzielleres, um sehr persönliche Themen. Um ­Müdigkeit und Erschöpfung zum Beispiel. Zeitgenössischer und prekärer geht es gar nicht mehr, wie auch der Untertitel der Retrospektive betont: "Das Jahr 2014 hat ein Rad ab."

Cosima von Bonin. Hippies Use Side Door

bis 18. Januar,
Mumok,
Wien

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Verlag Walther König, er kostet 29,80 Euro.

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https://www.mumok.at/node/286