Outer Space - Bonn

Weltall in der Nussschale

Längst schaut der Himmel auch zu uns herunter. Die Bundeskunsthalle Bonn zeigt in "Outer Space. Faszination Weltraum" anhand von Kunst, Sternenstaub und Objekten, wie sehr der Raum jenseits des Planeten Erde noch immer Sehnsuchtsort und Projektionsfläche forschender Neugier ist.
Jenseits des Planeten Erde:Ausstellung über Sehnsuchtsort Weltraum

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Zum Himmel zu blicken war nie ungefährlich. Schon Thales von Milet stürzte in eine Zisterne, als er die Sterne ­beobachtete. Woraufhin ihn eine Thrakerin verspottete, er wisse wohl am Himmel, aber nicht auf der Erde Bescheid. Seit den Tagen, als man sich das Firmament als Schale vorstellte, an die Fixsterne geheftet sind, ist die Menschheit dem "Outer Space" nicht nur beobachtend nähergekommen. Der Münchner Künstler Peter Sauerer greift das Schalenmodell dankbar und mit einem Augenzwinkern noch einmal auf und packt den gestirnten Himmel über uns in zwei winzige geschnitzte Nussschalen.

Trotz Mondlandung, einer Raumstation und jeder Menge Satellitenschrott im Orbit hat sich an der Faszination, die vom Weltall ausgeht, seit Menschengedenken wenig geändert. Was jenseits des Planeten Erde liegt, ist Sehnsuchtsort, Projektionsfläche und Gegenstand forschender Neugier geblieben, auch wenn die Wissenschaft noch immer herauszufinden versucht, wie alles entstanden ist, ­woher wir kommen, wohin wir gehen und ob wir tatsächlich allein sind.

Die Schau "Outer Space" in der Bonner Bundeskunsthalle entfaltet mit mehr als 300 Exponaten denn auch ein großes kulturhistorisches Panorama des über seine Erdgebundenheit triumphierenden menschlichen Strebens, in dem die Kunst eine wichtige Rolle spielt, aber bei weitem nicht allein den Ton angibt. Allenthalben ins Traumhafte, Visionäre und Absurde ausgegriffen wird trotzdem. "Lift off", "Kollision" oder "Schweben und Stürzen" heißen einige der zwölf assoziativ gestalteten Räume.

Aufgerollt wird die Geschichte der Rakete zwischen Ingenieurskunst, Männerspielzeug und Massenvernichtungswaffe – begleitet von ­Oliver van den Bergs aus schlichten Leisten gefertigten Umrissen von ­Trägersystemen und deren Raketennamen. Auch der Weltraumalltag wird nicht ausgespart. Wobei ein Nass­rasierer auftaucht, wie ihn die Astronauten der Apollo-Missionen verwendet haben – schließlich sprießt der Bart auch in der Schwerelosigkeit. Während Peter Paul Rubens "Die ­Geburt der Milchstraße" weiblich besetzt, lässt Mark Tansey noch einmal Maler vor ihrer Staffelei agieren, um einen Shuttle-Start auf Leinwand zu bannen. "Action Painting II" nennt er das ironisch. Odilon ­Redon indes zaubert elegisch ein Frauenprofil in eine schwebende Kugel. Fiktionen rahmen Fakten – und ­umgekehrt. Profane Realität ist die ­Toilette für Raumfahrer, von gemischter Herkunft sind Rauman­züge aus Russland, Amerika und Hollywood.

Gezeigt werden Teleskope und Sternkarten, Fotografien von Spiralnebeln, Zeitschriften und Comics, Mondstaub und weit gereiste Meteoriten. Natürlich darf auch die berühmte, 1600 vor Christus entstandene Himmelsscheibe von Nebra nicht fehlen. Dass in neuester Technik vorzeitliche Modelle stecken können, bringt Tom Sachs in "The Crawler" ins Spiel, dem Modell des Raupenfahrzeugs samt Space-Shuttle, auf dem das Himmelsfahrzeug zur Startrampe kriecht. Und nebenan, im Kunstmuseum, stellt der Geograf und Künstler Trevor Paglen unter Beweis, dass nicht nur wir zum Himmel schauen. Seit es Überwachungssatelliten gibt, schaut der Himmel auch auf uns ­herunter.

Outer Space. Faszination Weltraum

bis 22. Februar,
Bundeskunsthalle,
Bonn

Der Katalog zur Ausstellung ist im Nicolai Verlag erschienen, er kostet 32 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro.

Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.
http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/outer-space.html