Thomas Struth - Familienleben

Schöne heile Welt?

Die Kölner SK-Stiftung Kultur eröffnet am 10. Januar das Ausstellungs- und Buchprojekt "Familienleben" von Thomas Struth, 53. Der deutsche Fotograf, der bei Gerhard Richter und später bei Bernd und Hilla Becher studierte, präsentiert einen sehr intimen Themenbereich – und überraschende Einblicke in Familienbeziehungen.

Das Elternpaar und ihre drei Töchter sitzen ihrem bunten Sofa eng zusammen und schauen den Betrachter direkt an. "The Martin & Maison Family" von 2001 ist nur eine Momentaufnahme, doch liegt ihr ein genau durchdachter Ablauf zugrunde und zeigt uns mehr als nur eine Familie.

Kein Bild entsteht zufällig. Die Personen stellen sich intuitiv auf, wodurch die Beziehungskonstellationen untereinander und gegenüber dem Fotografen unbewusst zutage treten. Dennoch beschreiben sie nur den kurzen gegenwärtigen Augenblick, indem sich die Geschichten und Einzelschicksale zu einer Einheit verbinden und sich kristallisieren. Struths Bilder geben Auskunft über das Entstehen und die Veränderung von Lebensumständen in der alltäglichen Welt.

Hinweise und Zeichen in den Bildern wie Einrichtungsgegenstände stimulieren den Betrachter automatisch. Er zieht Rückschlüsse auf den privaten und kulturellen Hintergrund der abgelichteten Personen. Damit reiht sich Struth in eine kunstgeschichtlich bedeutende Tradition: In Familienporträts des 17. Jahrhunderts wurden die gemalten Personen in ein Umfeld gesetzt, das erkennen ließ, aus welchem kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergrund der Porträtierte stammt. Die Bilder aus dem 17. Jahrhundert interessieren weniger wegen der Einzelschicksale der Porträtierten, als vielmehr wegen ihrer Aussagekraft über die damaligen Lebensumstände. Die von Struth abgebildeten Familien stammen aus allen Teilen der Welt. Der Künstler möchte zeigen, was die Bilder verbindet, nicht was sie unterscheidet. Der Betrachter kann aus den verschiedensten Interessen heraus die Fotos auf sich wirken lassen und seine eigenen Assoziationen entwickeln.

Struths Fotoarbeiten erzählen uns auch etwas über den Fotografen selbst. Alle von im Porträtierten stammen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld des Künstlers und liefern so Informationen über den Künstler.

Das Ausstellungs- und Buchprojekt "Familienleben" in der Kölner SK-Stiftung Kultur zeigt einen, neben Architektur, Landschaften und den Museumsbildern, wichtigen Themenbereich im Werk von Struth. Die Idee für dieses Projekt hatte Struth Anfang der achtziger Jahre, als ein befreundeter Psychoanalytiker Familienfotos seiner Patienten untersuchte. Auch diese Bilder verrieten erstaunlich viel über die Beziehungsgeflechte.

"Thomas Struth – Familienleben"

SK-Stiftung Kultur in Köln, 10. Januar bis 20. April 2008.
Der Katalog kostet 49,80 Euro.
http://www.sk-kultur.de/web/index.php