Wassily Kandinsky - Lenbachhaus München

Die Kronjuwelen eines Abstrakten

Eine große Retrospektive im Münchner Lenbachhaus präsentiert das malerische Gesamtwerk von Wassily Kandinsky.

Was haben die Protagonisten der Klassischen Moderne mit alternden Popstars gemein? Zumindest so viel, dass ihre rar gewordenen Einzelauftritte publikumswirksam als letzte Konzertmöglichkeit angepriesen werden. Die gestiegenen Versicherungssummen für Meisterwerke aus dem frühen 20. Jahrhundert stellen Institutionen vor unwägbare Finanzrisiken.

Und doch kommt immer wieder die eine oder andere Welttournee mit einem Matador der Abstraktion zustande. Die Münchner Kan­dinsky-Retrospektive wird deshalb als eine in dieser "Generation nicht mehr wiederholbare" Schau bezeichnet.

Drei Häuser mit den größten Kandinsky-Sammlungen weltweit, das Centre Pompidou in Paris, das New Yorker Guggenheim Museum und das Lenbachhaus, legen ihre Kronjuwelen zusammen. "Wir haben uns gegenseitig alles geliehen, was konservatorisch einigermaßen vertretbar war", sagt Helmut Friedel, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus. An jeder Station wird zudem in einer kleinen Zusatzausstellung ein thematischer Aspekt des russischen Kosmopoliten unter die Lupe genommen.

Ausgestellt werden im Kern der Schauen ausschließlich "Schlüsselbilder". Gemeint sind Gemälde, die der in Moskau geborene Kandinsky (1866 bis 1944) selbst als programmatisch für die gegenstandsbefreite Kunst der Moderne eingestuft hat. Vor allem kommt die Theoriebegeisterung des analytischen Künstlers und Autors der Schrift "Über das Geistige in der Kunst" nun auch im Reigen seiner Bildrhythmen deutlich zum Vorschein: Kandinsky pflegte seine als "Kompositio­nen" und "Impro­visationen" betitelten Bilder planmäßig wie Musikstücke zu orchestrieren. Dennoch werde man "überrascht sein, wie stark Kandinsky auf die Unmittelbarkeit des Pinselstrichs baute", heißt es aus dem Lenbachhaus.

"Kandinsky – Absolut. Abstrakt"

Termin: 25. Oktober bis 22. Januar 2009. Kataloge: Prestel Verlag, 30 Euro, im Buchhandel 39,95 Euro; "Das druckgraphische Werk", Wienand Verlag, 30 Euro, im Buchhandel 44 Euro.
http://www.lenbachhaus.de/

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