Künstler der Kaiser - Baden-Baden

Die Sammellust der Habsburger

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt Schätze aus dem ehemaligen Besitz der Habsburger Monarchen aus dem Kunsthistorischen Museum Wien.
Die Sammellust der Habsburger:Schätze aus dem Kunsthistorischen Museum Wien

Tizian: "Mars, Venus und Amor", um 1530

War Gerhard Schröder der erste Medienpolitiker? Keineswegs, schon vor 500 Jahren ließ Kaiser Maximilian I. Bildnisse von sich verbreiten. Der Holzschnitt machte es möglich, die offziellen Herrscherporträts auch unters Volk zu bringen.
"Maximilian hat die Kunst als Massenmedium entdeckt und den Holzschnitt für Propagandazwecke genutzt", sagt Götz Adriani.

Er hat für das Museum Frieder Burda in Baden-Baden die Ausstellung "Die Künstler der Kaiser: von Dürer bis Tizian, von Rubens bis Velázquez" organisiert. Es ist ein Querschnitt durch die habsburgischen Sammlungen, die aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien ausgeliehen wurden. Die Sammellust der Habsburger beginnt mit Maximilian I. und endet mit Maria Theresia. "Diese Sammeltradition ist weltweit einmalig", sagt Adriani, "keine Familie hat über Jahrhunderte hinweg derart konsequent gesammelt."

Die Herrscher wollten freilich nur das Beste: 70 Gemälde von Albrecht Dürer, Tizian, Peter Paul Rubens, Diego Velázquez oder Tintoretto sind in Baden-Baden nun zu sehen. Der große Saal des Museums ist sieben Wandteppichen gewidmet, die die Kriegszüge Karls V. zeigen. Kaiser Karl VI. hat sie im 18. Jahrhun­dert nach alten Vorlagen weben lassen. Neben Gemälden mit religiösen und antiken Motiven kann man auch die Herrscher selbst in der Ausstellung kennen ler­nen: Adriaen de Vries hat zum Beispiel Kaiser Rudolf II. im Jahr 1603 als bärtigen Kriegsherrn in Bronze verewigt.

Die Monarchen hatten nicht nur Malerei gesammelt, Karl V. war auch Uhrenliebhaber, Rudolf II. ein Freund der Steinschneidekunst. In Kunstkammern wurde all das vereint, was kurios, exotisch oder anderweitig bemerkenswert war: Pokale und mechanische Geräte, Esswerkzeuge oder Steine, Uhren oder Waschschüsseln. 50 Objekte aus den Kunstkammern werden nun auch in Baden-Baden zu sehen sein, zwar nicht, wie einst, dicht an dicht in einem Raum, sondern in Vitrinen. Dass diese Schmuckstücke einen Ausflug nach Baden-Baden machen, verdankt Burda der Gunst der Stunde: "Es kam uns entgegen", sagt Adriani, "dass die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums gerade umgebaut wird."

"Die Künstler der Kaiser: von Dürer bis Tizian, von Rubens bis Velázquez"

Termin: bis 14. Juni. Katalog: DuMont Buchverlag, 24,80 Euro, im Buchhandel 34,95 Euro
http://www.museum-frieder-burda.de