Garten Eden - Kunsthalle Emden

Paradies im Aufruhr

Rechtzeitig zu Klimawandel- und Emissionsdiskussionen präsentiert die Kunsthalle in Emden die Ausstellung "Garten Eden – der Garten in der Kunst seit 1900". „Eigentlich gibt es nichts Platteres als Blumenbilder – aber auch nichts Schöneres als einen blühenden Garten“, meinten die beteiligten Künstler Peter Fischli und David Weiss.

Ein heftiger Sturm zog am vergangenen Samstag über die ostfriesische Küste, was aber 1500 Gäste aus der ganzen Bundesrepublik nicht davon abhalten konnte, in die Nordseehalle von Emden zu kommen, wo Eske Nannen zur feierlichen Wiedereröffnung der Kunsthalle geladen hatte.

Nach den rund 18 Monaten dauernden Umbauarbeiten präsentiert sich das Haus nun mit klar strukturierter Glasfassade, großzügigem Foyer, überdachtem Atrium mit Leselounge, mit einer Brücke zur Stadt, einem Bootsanleger und Ausstellungsräumen, die nach neuesten museumstechnischen Maßstäben modernisiert wurden. „Die neuen Museen sind die Kathedralen unserer Zeit“, sagte Nils Ohlsen, wissenschaftlicher Leiter der Kunsthalle und Kurator der Ausstellung „Garten Eden“, in seiner Begrüßungsansprache, „ihre Architektur muss die Aufgaben des klassischen Museums mit denen eines städtischen Freizeitzentrums in Verbindung bringen.“ Damit entspreche die neue Kunsthalle in Emden ganz der Idee ihres Stifters Henri Nannen – einen lebendigen Ort zu schaffen, der den Menschen zur Begegnung mit der Kunst einlädt und ihn neugierig auf Unbekanntes macht.

Einst war er eine Notwendigkeit, dem heutigen Großstädter gilt er hingegen als Luxus: ein Garten. Während Dürreperioden die Menschen zwangen, Nutzgärten anzulegen, wird ein grüner Daumen im 21. Jahrhundert beinahe als revolutionäres Symbol angesehen. Rechtzeitig zu Klimawandel- und Emissionsdiskussionen thematisiert die Kunsthalle in Emden mit Gartendarstellungen von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart unseren Umgang mit Lebensräumen und Ressourcen.

Rund 200 Arbeiten von 100 internationalen Künstlern sind in der Ausstellung zu sehen, aufgeteilt nach acht Themen. Unterschiedliche Epochen und Strömungen treffen ebenso aufeinander wie verschiedene Medien. So hängt im Bereich „Locus amoenus“ ein „lieblicher Ort“ von Claude Monet einer idealisierten Naturlandschaft des Schweizer Fotografen Thomas Flechtner gegenüber. Max Liebermann und Pierre Bonnard treffen auf junge Künstler wie Silke Otto-Knapp und Luis Vidal. Thomas Struth, Cecily Brown oder der finnische Fotograf Ilkka Halso, der für seine Serie „Restauration“ Museumssituationen in der Landschaft konstruiert hat, führen im Kapitel „Vom Dschungel zum Paradies“ vor, dass moderne Vorstellungen vom Paradies als wilder Natur keinen Widerspruch zum idyllischen Garten Eden bilden.

Das Schweizer Künstlerpaar Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger hat für die Abteilung „Der Gärtner“ einen begehbaren Schuppen gebaut und mit Gartengeräten gefüllt, aus Gießkannen und Handschuhen wachsen dort künstliche Pflanzen. Scott McFarland stilisiert Szenen der Gartengestaltung, Izima Kaoru inszeniert Gärten als Tatorte. In der Abteilung „Zaubergarten“ zeigt Anna Kling Aufnahmen von efeuüberwucherten Ruinen, die vor dunklem Grund algenüberzogenen Schiffwracks ähneln.

Peter Fischli und David Weiss schließlich blenden in Diaprojektionen Sommerblumen zu geheimnisvollen Gewächsen ineinander über. Das Fazit der beiden lautet: „Eigentlich gibt es nichts Platteres als Blumenbilder – aber auch nichts Schöneres als einen blühenden Garten.“

Garten Eden – der Garten in der Kunst seit 1900

Termin: 2. Dezember bis 30. März 2008 // Katalog: DuMont Verlag, 35 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro

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