Matthias Weischer - Arbeiten auf Papier

Keine Angst vor Banalität

Weltweit kennt man Matthias Weischer als den neosurrealistischen Klaustrophobiker der neuen deutschen Malerei. Seine verschachtelten Kunstlicht-Zimmer haben den gebürtigen Westfalen und Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst schnell berühmt gemacht. Gerade sind seine düsteren Interieurs noch in der Mannheimer Kunsthalle zu sehen – da schlägt der Maler in Berlin schon das nächste Kapitel auf: mit schockierenden neuen Zeichnungen und Aquarellen

Betritt man Matthias Weischers Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein (NBK), scheint zunächst noch alles in Ordnung. Eine brusthohe Linie von kleinen gerahmten Formaten eröffnet die aktuelle Schau des begehrten "Leipziger Malers": Kohlezeichnungen karger Innenräume reihen sich aneinander. Sie wirken wie ein Sketchbook zu einem Film Noir, flüchtige Licht- und Schattenstudien, Ornamente die nicht näher definierte Objekte in einer Studiosituation immer schwerer zu umwölken scheinen. Im Rechteck hängend, in drei Reihen zu vier Bildern wird die Situation schließlich noch einmal gründlich durchdekliniert. Eine Vorstudie vielleicht, auf jeden Fall der Versuch, die gegenseitigen Verhältnisse von Gegenständen in einem Raum zeichnerisch zu durchdringen.

Doch wer dachte, es ginge so weiter, sieht sich getäuscht. Für die Bilder der nächsten Wand hat der Künstler die Zeichenkohle im Atelier gelassen und ist mit seinem Aquarellzeug nach draußen gegangen – raus in den Park der Villa Massimo in Rom, wo Weischer in diesem Jahr als Stipendiat lebt und arbeitet. Es sind diese lichtdurchfluteten, federleichten Aquarelle, die alle eingefleischten Weischer-Fans in eine tiefe Krise stürzen dürften: Landschaftsansichten ohne jeden Hintersinn, gezeichnet von beschwingter Hand. Ja, es macht Spaß, den flinken Pinselstrichen zu folgen und zu beobachten, wie wasserfarbene Blau-, Grün-, Braun- und Violetttöne ineinanderlaufen – ohne Furcht vor Banalität, befreit von jeglicher Bedeutungshuberei. Bild um Bild scheint Weischer den Park seines Jahresdomizils förmlich in sich aufzusaugen.
Fast 170 Blätter sind in Berlin zu sehen, Aquarelle, Pastellkreidezeichnungen und Kohlestudien. Am Ende schafft es der Künstler gar, selbst hinter all seinen Bäumen und Büschen zu verschwinden: Die visuelle Betäubung kommt schnell und der Blick wird flüchtig. Wäre zur Ausstellung nicht ein wunderbarer Katalog erschienen, dann wären diese akademische Parkansichten am nächsten Tag schon wieder vergessen.

"Matthias Weischer. Der Garten – Arbeiten auf Papier"
NBK Neuer Berliner Kunstverein, bis 23. Dezember. Vom 27. Januar bis 9. März 2008 im Kloster Bentlage, Rheine. Der Katalog (Verlag Hatje Cantz) erscheint im Buchhandel im Dezember 2008, ist aber in der Ausstellung bereits erhältlich (39,80 Euro).

"Matthias Weischer: Malerei/Painting", Kunsthalle Mannheim, bis 1. Januar.