Re.act.feminism - Berlin

Eine Kiste für Brüste und Protest

Funktioniert die Berliner Werkschau "Re.act.feminism" in der Akademie der Künste als schlagfertiges Gegenargument für den männerdominierten Kunstbetrieb? Kito Nedo über eine Bestandsaufnahme weiblicher Performance-Kunst und vielversprechende Neuentdeckungen.

"Die Kunst besitzt kein Geschlecht", schrieb die amerikanische Kunstkritikerin Lucy Lippard Mitte der siebziger Jahre und vergaß freilich nicht, hinzuzufügen: "Künstlerinnen und Künstler hingegen schon." Lippards Text, der den männerdominierten Kunstbetrieb kritisierte, erschien anlässlich einer Ausstellung der Österreicherin Valie Export. Deren Werk hat – wie sonst vielleicht nur noch das von Yoko Ono – ganze Generationen jüngerer Künstlerinnen zur Produktion von feministischer Kunst, vor allem von Performances, inspiriert. Mit ihrem "Tapp- und Tastkino" (1968) etwa, einer vorgeschnallten Kiste, durch die Pas­santen die Brüs­te ihrer Trägerin berüh­ren konnten, stellte die Künstlerin ganz im Einklang mit dem radikalen Zeitgeist ihren Körper als Material und Werkzeug in den Dienst der Kunst.

Wenn nun in der Berliner Akademie der Künste erstmals eine auf Europa und die USA fokussierte Bestandsaufnahme der feministischen Performancekunst in den sechziger und siebziger Jahren zu sehen ist, dann ist natürlich auch Valie Export dabei. Doch viel mehr als an der Präsentation von weithin bekannten Klassikern ist den beiden Kuratorinnen Bettina Knaup und Beatrice E. Stammer an der Erweiterung des Blickwinkels und der Dokumentation der vielfältigen Ansätze gelegen, die von ganz unterschiedlichen Aktivistinnen in den USA sowie Ost- und Westeuropa verfolgt wurden.
So finden sich unter den Wer­ken und Dokumentationen von rund 25 Künstlerinnen auch weniger bekannte Na­men, wie etwa der von Lorraine O’Grady, die in New York als "Mlle Bourgeoise Noire" ab 1980 auf Ausstellungseröffnungen lautstark gegen die Unterrepräsentation und die Selbstverleugnung afroamerikanischer Künstler protestierte und zugleich die Behauptung bekräftigte, dass Kunst die Welt ver­ändern könne.

Selbst die Mauer konnte die Ausläufer der feministischen Avantgarde nicht stoppen. Denn tief in der DDR-Provinz, und argwöhnisch beobachtet von der Staatssicherheit, gründete die Künstlerin Ga­briele Stötzer gemeinsam mit anderen Künstlerinnen in Erfurt Anfang der Achtziger mit "Exterra XX" das erste und einzige unabhängige Künstlerinnen-Kollektiv, das neben gemeinsamen Film- und Fotoarbeiten auch Performances zeigte.

"re.act.feminism"

Termin: bis 8. Februar 2009. Pariser Platz 4, Berlin. Katalog: nach Ende der Ausstellung geplant.
http://www.adk.de