Jupiter Artland - Skulpturenpark

Ein magisches Königreich

Das britische Sammlerpaar Nicky und Robert Wilson hat in der Nähe von Edinburgh einen beeindruckenden Skulpturenpark eingerichtet – mit Arbeiten von Anish Kapoor, Marc Quinn und Antony Gormley.

Am Ende des Rasens, umrahmt von Bäumen und einem Blick über grüne Hügel, steht eine überdimensionale Orchidee, knallbunt, mit gelben und weißen Blüten. "Love Bomb" besteht aus bemaltem Edelstahl und ist zwölf Meter hoch, "eine modifizierte Blume, monströs und verführerisch schön zugleich, die beweist, wie menschliche Begierden heute die Natur formen", sagt Plastiker Marc Quinn, der mit seinem aus dem eigenen Blut hergestellten Porträtkopf bekannt wurde.

Besitzerin dieser Blume ist Nicky Wilson, 42. Gemeinsam mit ihrem Mann Robert, der seine Millionen als Besitzer des Familienunternehmens Nelson’s für homöopathische Arzneimittel gemacht hat, schuf sie Jupiter Artland im Park ihres Landhauses Bonnington House in der Nähe von Edinburgh. “Wir wollten eigentlich keinen normalen Skulpturenpark einrichten", sagt sie. Deshalb kaufte sie auch nicht Skulpturen von der Stange, sondern bestellte in den letzten drei Jahren Arbeiten bei mehr als 20 Plastikern, die sich von der umgebenden Landschaft anregen lassen sollten.

Vor Jahren schon hatte die Mäzenin, die am Londoner Chelsea College of Art Bildhauerei studiert hat, die Idee, in ihrem Park Kunst auszustellen. Der Einfall kam ihr, als sie Little Sparta besuchte, den vom kürzlich verstorbenen Ian Hamilton Finlay in der Hügellandschaft südlich der schottischen Hauptstadt angelegten Garten. Für sie ist er "ein magisches Königreich". Finlay, dessen Interesse vor allem der klassischen Antike galt, war einer der ersten, den sie um Werke bat. Er steuerte kurz vor seinem Tod einen Miniaturtempel des Apollo aus Kalkstein sowie eine Büste der Sappho bei.

"Lebende, wachsende Skulptur"

Ihr kostspieliges Hobby begann mit einer Erdarbeit des Architekturhistorikers und Gartenbauers Charles Jencks, die die Zufahrt zum Haus umrahmt. "Life Mounds" besteht aus einer Reihe von mit Gras bewachsenen Hügeln, die sich um mehrere bauchige Teiche legen. Spiralenförmige Pfade führen hinauf, von wo aus man den gesamten Park überblicken kann.

Auch Andy Goldsworthy arbeitet mit der Landschaft. Im Wald hat er "Stone House – Bonnington" errichtet, eine Hütte aus Naturstein, deren Fußboden der rohe Fels ist, alle Erde wurde abgetragen. "Es befremdet, wenn man ein Haus betritt, das von der Natur bewohnt wird", sagt der Künstler. Und für "Stone Coppice" hat er nach dem Bau übriggebliebene Steine in die beschnittenen Kronen von Bäumen gelegt, als "lebende, wachsende, sich verändernde Skulptur."

"Er ist der Gott der Kreativität"

Anish Kapoor hat sich ebenfalls der Landschaft zugewandt. Für "Suck" hat er ein Loch in den Rasen graben lassen und einen Trichter aus Gusseisen darin versenkt. Ein Blick ins Innere der Erde? Damit der Besucher nicht in den dunklen Wirbel hineingesaugt wird, ist der Trichter von einem eisernen Käfig umgeben. Antony Gormleys "Firmament" besteht aus mehr als 2000 Stahlstäben und –kugeln, die zu einer kauernden Figur zusammengefügt sind. Betrachtet man sie vom Fuß des Abhangs, auf dem sie steht, erkennt man eine Himmelskarte mit den Sternzeichen.

Zur Eröffnung von Artland Jupiter organisierte die Künstlerin Cornelia Parker ein Feuerwerk, in dessen Verlauf die geladenen Gäste vom Himmel herab mit Mondstaub berieselt wurden. Die Künstlerin hatte ein winziges Stück Mondfelsen zermahlen und von einer Rakete in die Lüfte schießen lassen. "Ihre geheime Absegnung unseres Projekts", nannte es Nicky Wilson. Und warum der merkwürdige Name? Kunstland des Jupiter? "Er ist der Gott der Kreativität, der Parties und des Vergnügens. Wir sind auf seiner Seite."

"Jupiter Artland"

Geöffnet bis 31. Juli, Freitag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr, im August Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr. Eintritt: 5 Pfund
http://www.jupiterartland.org/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de