Radar

Katharina Sayn-Wittgenstein

Katharina Sayn-Wittgenstein über Hiroyuki Masuyama
Hiroyuki Masuyama: "Das Eismeer 1823-24", 2007 LED-Leuchtkasten, 97 x 127 x 4 cm, Fotomontage aus ca. 700 Fotos, Aufnahmeorte: Oulu / Kemi, Finnland (Courtesy Galerie Sfeier-Semler)

KATHARINA SAYN-WITTGENSTEIN ÜBER HIROYUKI MASUYAMA

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Kritiker und Dozenten nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Katharina Sayn-Wittgenstein, Leiterin des Hamburger Büros von Sotheby´s, über den japanischen Künstler Hiroyuki Masuyama.
// KATHARINA SAYN-WITTGENSTEIN

Als ich vor einiger Zeit die Treppe zum Kuppelsaal der Hamburger Kunsthalle emporstieg, sprang mir das Gemälde "Das Eismeer" von Caspar David Friedrich, in einem Leuchtkasten installiert, überraschend entgegen.

Nachdem im Vorjahr das Motiv "Wanderer über dem Nebelmeer" desselbigen Künstlers an zahlreichen Bushaltestellen Hamburgs zu sehen war, oder sogar die Kopfstützenbezüge jedes Wagens von Hansataxi zierte, schloss ich, dass dies wohl ein Relikt jener Werbekampagne war, welche dafür sorgte, dass die Caspar-David-Friedrich-Ausstellung in der Hansestadt Rekordbesucherzahlen verbuchen konnte. Die genauere Betrachtung sowie die erläuternde Beschreibung des Exponats löste jedoch meine Verwirrung auf. Es handelte sich um eine Arbeit des Künstlers Hiroyuki Masuyama, die mich sofort faszinierte.

Eine Hommage an Caspar David Friedrich

Der Künstler, 1968 in Tsukuba Japan geboren, lebt und arbeitet seit 1995 in Düsseldorf und wird durch die Galerie Sfeir-Semler in Hamburg vertreten. Ein Teil seines Schaffens widmet Masuyama den Motiven Caspar David Friedrichs. Er sucht verschiedene Orte auf, die einzelnen Komponenten der Landschaftsdarstellungen des Künstlers ähneln. Fotografiert aus unterschiedlichen Perspektiven fügt der Künstler bis zu 400 Ausschnitte digitaler Landschaftsfotografie zu einer collagenartigen Bildeinheit zusammen. Durch die technische Bildbearbeitung lässt er zeitlich und räumlich voneinander getrennte Fotografien zu einer bildlichen Einheit verschmelzen. Auf diese Weise gelingt es Masuyama, mehrere Naturansichten der Wirklichkeit in einer Landschaftsdarstellung neu zu konstruieren.

Faszinierend an Masuyamas Schaffen ist für mich die Verbindung seiner traditionellen Motivauswahl und Vorgehensweise mit der modernen Technik. Er knüpft an den künstlerischen Prozess Caspar David Friedrichs an, der aufgrund zahlreicher, in der Natur gefertigter Skizzen seine Gemälde anschließend in seinem Atelier ausführte. Montiert in LED-Leuchtkästen, welche „konsumentenfreundlich“ inzwischen über eine Fernbedienung an- und ausgeschaltet werden können, üben seine Werke eine unglaubliche Strahlkraft aus.

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