Jeff Koons

Versailles

Michael Jackson trifft Sonnenkönig
Jeff Koons: "Balloon Dog (Magenta)", 1994-2000, Installationsansicht im Schloss Versailles (Foto: Burkhard Maus)

MICHAEL JACKSON TRIFFT SONNENKÖNIG

Jeff Koons zeigt seine Skulpturen in Schloss Versailles: Erste Ausstellung eines lebenden Künstlers im historischen Gemäuer vor den Toren von Paris.
// PETRA BOSETTI

Wo einst der Sonnenkönig Ludwig XIV. residierte, hat jetzt der König des Kitsches Einzug gehalten: Jeff Koons hält als erster lebender Künstler im Barockschloss Versailles vor den Toren von Paris Hof. Und er macht das gründlich.

Im weltberühmten Spiegelsaal, in den Gemächern diverser Königinnen oder im Venus-Saal können die Besucher Michael Jackson, lebensgroß mit Äffchen Bubbles, begutachten, ein pinkfarbener Pudel fügt sich ebenso in das pompöse Ambiente ein wie ein Glücksschwein mit Engelchen, ein blinkendes Aluminiumhäschen oder eine Porträtbüste des Meisters himself.

Dass das ganze nicht ohne Proteste ablaufen würde, war ja irgendwie klar. Wie die Tageszeitung „Rheinische Post“ berichtet, hat es bereits Demonstrationen gegeben. "Das ist ein Sakrileg, eine Verhonepiepelung der französischen Republik und ihrer Symbole", schimpfte zum Beispiel Aaron Upinski – mit Schaum vorm Mund, so sehr hat sich der Präsident der nationalen Schriftstellerunion in Rage geredet. "Der infantile Quatsch gehört nach Disneyland, nicht in dieses Schloss", sagt eine Mitstreiterin.

Jeff Koons in Versailles

Termin: bis 14. Dezember, Versailles, Frankreich.

http://www.jeffkoonsversailles.com

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1 Leserkommentar vorhanden

Werner Hahn

08:47

13 / 09 / 08 // 

Kulturschaffende aller Länder vereinigt euch!

Viele „Kunstwerke“ der Gegenwartskunst stehen dem „Kitsch“-Phänomen nahe: Das gilt insbesondere auch für die Spielzeugwelten des amerikanischen „Kunst-Stars der Achtziger“, den Künstler Jeff Koons (Jahrgang 1955), der als „King of Kitsch“ kritisiert wird. „Kunst“-Markt-Liebhaber Koons hat z. B. übergroß aus Metall geformte Ballonhündchen geschaffen; so den aufgeblasen-knalligen und naiven Magenta-Pudel vor Palazzo Grassi in Venedig und ein triviales-dekoratives Blumenhündchen vor dem Guggenheim Bilbao. Der pinkfarbene Pudel darf nun im Barockschloss Versailles vor den Toren von Paris Hof halten – zusammen mit anderen bekannten provokativen Kitsch-Objekten des Markt-Stars aus den 80er und 90er Jahren. Neu ist nun, dass nicht nur das Feuilleton der Medien, sondern endlich „seriöse“ Kulturschaffende sich öffentlich zu Wort melden: Die Ausstellung wird als „Geschäft unter Freunden“ kritisiert, weil der mit Koons befreundete ehemalige Kulturminister (2001 ernannte der Koons zum „Ritter der Ehrenlegion“) der Ausstellungs-Initiator ist. Viele beurteilen die „Kitsch-König“-Objekte als Beschmutzung des französischen Kulturerbes, als Nicht-Kunst-Angriff á la Duchamps „Mona Lisa“ mit „Bart“: Meta-Spaß „Mona Lisa L.H.O.O.Q. rasée". Neu ist auch hierzulande, dass Kulturschaffende dafür plädieren, dass die documenta 13 von einem Team – der Findungskommission - geleitet werden sollte (Prof. Peter Weibel, Kunstkritiker Karlheinz Schmid).

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