Akt Now! Julia Fuchs - Aktfotografie

Akt Now: Julia Fuchs

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Julia Fuchs
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Arbeit von Julia Fuchs

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

In der europäischen Kunstgeschichte ist es meist die nackte Frau, die vom Mann auf die Leinwand oder das Negativ gebannt wird. Bis ins 20. Jahrhundert war ihr nicht einmal der Blick auf sich selbst erlaubt.

Die ersten Studentinnen der Kunst durften Stillleben und Landschaften malen, nicht aber Selbstporträts oder weibliche Akte. Geprägt von diesen Bildern, wie den starken Selbstporträts der Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, spiele ich mit der Rolle der Fotografin und des Modells. Ich nehme beide Rollen ein, abwechselnd und gleichzeitig, kehre zum Beispiel die Situation um, in dem ich mich hinter der Kamera ausziehe, während das Modell angezogen bleibt. Oder ich erfahre einen Raum mit meinem Körper während ich zwischen, vor und hinter der Kamera hin und herlaufe.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Über einen anderen nackten Menschen zu bestimmen, der mir ausgeliefert ist, bereitet mir große Probleme, deshalb bin meist ich es, die sich auszieht und bestimmt wie weit sie geht. Deshalb gibt es für mich keine Tabus.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Für mich unterscheidet sich der Akt hier nicht von anderen künstlerischen Arbeiten. Neben verschiedenen Definitionen von Kunst gilt für mich persönlich, dass mich die Arbeit berühren oder intellektuell anregen soll, auf welche Art auch immer.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Es gibt viele fantastische Vorbilder: von Rembrandt, Vermeer (Situation und Licht) über Cindy Sherman, Valie Export, Araki, Annie Sprinkle, Louise Bourgeois, Frida Kahlo, Birgit Jürgenssen, Marina Abramovic…

Was war der peinlichste Moment?

Sich vor anderen auszuziehen fällt mir immer schwer, aber wenn ich zu fotografieren beginne, vergesse ich, dass ich nackt bin. Gerade habe ich zum Beispiel eine Session fotografiert, bei der ich Aktmodell war, das von anderen gemalt wurde, während ich mich fotografierte.

Welche Rolle spielt die Inszenierung und der Zufall in ihren
Fotografien?


Die Arbeiten sind genau in meinem Kopf bevor ich sie fotografiere, trotzdem variiert das Ergebnis oft, oder es ergeben sich neue Situationen am Set.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich würde gerne öfters mit Mittel- oder Großformatkamera arbeiten, was sich allerdings schwierig gestaltet, wenn man sowohl vor als auch hinter der Kamera steht. Außerdem möchte ich meine Serie "Die nackte Fotografin" mit bekannten Künstlerinnen weiterführen. Es ergeben sich noch spannendere Situationen, wenn ich die Person vor der Kamera sehr schätze.

Julia Fuchs

Steckbrief:

Geboren 1978 in Bregenz

Nächste Ausstellung:
Teilnahme am Monat der Fotografie in Wien November 2012, "Ver/Um/Un/Ordnung/en"

Hochschule/Ausbildung:

Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Wien und Berlin
2006/2007 Besuch der Schule für künstlerische Fotografie bei Friedl Kubelka
2007 Akademie der bildenden Künste Klasse für Video und Videoinstallation
Seit 2009 Klasse "Art in Practice" bei Judith Huemer

Akteurin bei "9x9" von Christine de Smedt in Berlin und bei der "Tino Sehgal" Ausstellung im Kunsthaus Bregenz
Sommer 2007: Fotografin und Bildredakteurin bei der documenta12
Arbeitet freiberuflich als Fotografin

Alter: 34 Jahre

http://www.juliafuchs.com/
fuchs.die.julia@gmx.at