Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now:

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Claudio Oliverio
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Claudio Oliverio: "Ohne Titel"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Wenn ich ein Shooting vereinbare, habe ich nie zuerst den Gedanken oder die Erwartungshaltung das es ein Akt Shooting werden könnte.

Jeder darf in meinen Porträts so weit gehen wie er will, so ist es Zufall ob es zu einem Akt kommt oder nicht. Meine Fotos sind authentisch, teils privat und ich reflektiere mich selbst als Mensch in ihnen. Ich interagiere auch manchmal selbst. Das alles bewirkt, dass die Menschen in meinen Bildern sich am Ende über sich selbst wundern, weil sie sich zuvor niemals ausgezogen hätten. Der Reiz an der Sache ist, nie zu wissen, wie weit ein Shootng geht.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

An sich gibt es für mich keine Tabus. Jedes Model hat selbst Einfluss darauf, wie weit es geht und was es zeigt, oder selber mit mir interagiert. Ich vermittle mit meinen Fotos auch kein menschliches Schönheitsideal, sondern zeige die Wirklichkeit so wie sie ist.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Da kommen wir wieder zur Grundsatzdiskussion was ist Kunst und was nicht. Für mich ist jedes aufgenommene Foto, auch mit dem Iphone, ein autarkes, authentisches Statement, welches grundsätzlich gleich behandelt werden sollte. Natürlich ist die Tendenz der emotionalen Wirkung bei einem Foto höher als bei anderen. Aber solange sich auch nur ein Mensch auf der Welt eines meiner Fotos herunterlädt, ausdruckt und an die Wand hängt ist es für mich ein legitimes Foto.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Als ich mich noch nicht mit der Fotografie beschäftigt habe, war Terry Richardson jemand, der mit seinen Arbeiten in der öffentlichen Wahrnehmung stark präsent war. Sein Stil hat mich doch unterbewusst in meiner Herangehensweise im Umgang mit den Models beeinflusst, aber auch dass
der Künstler die treibende Kraft sein sollte und nicht die Technik.


Was war der peinlichste Moment?

Mir ist selten etwas peinlich. Ein Aktshooting empfinde ich eher als surreal. In Russland war einmal die Mutter des Models im Nebenzimmer. Das Mädchen hat das mit dem Shooting wohl anders verstanden, so hat sie dann versucht mich während des Shootings zu bezirzen. Ungeachtet dessen servierte uns die Mutter immer wieder neuen Wodka. Hinterher wurde mir die Tochter noch als Ehefrau vorgeschlagen. Ich habe dankend abgelehnt. Man sollte seinen eigenen sozialen Status nie ausnutzen.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in ihren Fotografien?

"Mein bester Freund Kommissar Zufall", ist das existentielle Prinzip meiner Arbeiten. Ich stelle nicht einfach Menschen an die Wand und drücke ab. Ich erschaffe Charakterportraits der Menschen. Menschen tun die verschiedensten Dinge, um sich lebendig zu fühlen. Viele nehmen Drogen, Alkohol oder konsumieren einen Menschen nach dem anderen. Freunde, Familie und gesellschaftliche Werte zwängen den Menschen wie in einen Schraubstock ein. Ich bin der Katalysator und zeige den Menschen, wie sie aus diesem Korsett ausbrechen können.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich habe die letzten 2 zwei Jahre in Moskau gelebt und gearbeitet. In der Zeit habe ich ein Buch über Menschen in Moskau gemacht. Die Zeit ist so langsam reif für eine große Ausstellung mit diesen Werken!

Claudio Oliverio

Hochschule/Ausbildung: Studium Fotodesign an der Fachhochschule Dortmund & Institute of Modern Art (ISI) Moskau mit Abschluss Diplom

Alter: 29
http://www.claudiooliverio.com
info@claudiooliverio.com