Junge Aktfotografie

Akt Now: Dylan Forsberg

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Dylan Forsberg
Junge Aktfotografie:Puristische Bilder aus intimen Momenten

Dylan Forsberg: "Kasia Florida"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Der Akt ist simpel, er ist was er ist. Wenn man Kleidung hinzufügt, kann das die Stimmung oder die Atmosphäre ändern. Ein Kleidungsstück kann ein Bild fälschlicherweise sportlich oder jugendlich machen oder unnötige Farben auftauchen lassen. Die Haut hat einen wunderschönen Farbton und ist einzigartig wie jedes Model und dessen Stimmung. Außerdem sieht man auch vom Wesen einer Person mehr, wenn sie entblößt ist – wie sie sich bedeckt, versteckt oder auch ausstellt.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich bin mir nicht sicher, wie weit ich gehen würde. Im Moment bleibe ich dabei, nur den Oberkörper zu entblößen. Ich denke, wenn es eine Vagina oder einen Penis auf dem Bild zu sehen gibt, ist das das erste worauf man schaut. So etwas kann vom Rest ablenken. Ich bin normalerweise geschockt, wenn ich so etwas sehe. Obwohl es auch eine andere Seite in mir gibt, die gerne explizitere Aktfotos machen würde, so eine Art kunstvolle Pornografie. Aber ich würde nicht einfach frontale Abbildungen nackter Körper zeigen wollen. Um auf so eine Art zu fotografieren, müsste es schon einen Grund geben, eine Fokussierung. Wenn ich begänne, diese Grenzen zu überschreiten, wäre ich daran interessiert, das in einem außergewöhnlichen Maß zu tun. Ich würde Sexualität auf eine sehr nahe, intensive Art und Weise zeigen wollen, eine Art die ich noch nie zuvor auf einem Foto gesehen habe.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Eine Aktfotografie ist ein Kunstwerk, wenn der Mann hinter der Kamera ein Künstler ist. Sich selbst und andere Leute nackt zu fotografieren ist heutzutage eine Normalität. Und ich bin sicher, dass mancher sagen würde, das allein sei schon Kunst. Aber bis zu dem Zeitpunkt, zu dem jemand aus voller Überzeugung sagt, dass das Kunst sei, ist es keine – sondern einfach nur nackte Fotografie.

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Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal mit spielerischen Momenten, fantasievollen Inszenierungen und strahlenden Tattoos von Senta van Fredericana

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Im Moment ist meine einzige Inspiration, egal für was, Paolo Roversi. Er fotografiert nicht ständig nackte Leute, sondern enthüllt sie nur dann, wenn es notwendig ist und das auf eine geschmackvolle Art und Weise. Kürzlich las ich einen Blog-Eintrag über mich in dem es hieß: „Obwohl viele seiner Bilder voyeuristisch, offenherzig und entblößend sind, hinterlassen sie niemals einen bitteren Nachgeschmack – Forsberg scheint sorgsam mit dem Sujet umzugehen und hat einen Sinn für Sensibilität. Eine Menge Fotografen veröffentlichen explizite Fotos um zu schockieren und sich damit ins Gespräch zu bringen. Ich bin nicht daran interessiert, Anhänger, die solche Methoden wertschätzen, zu gewinnen oder daran, dass sich die Modelle unwohl fühlen. Ja, ich habe einige wunderschöne Aktfotografien die etwas expliziter sind, aber die drücken nicht das aus, was ich zeigen möchte. Ich hoffe, dass möglicherweise mehr Menschen realisieren werden, dass die Bilder, bei denen ich mich entscheide, sie nicht zu zeigen, diejenigen stärken, die ich zeige.

Manchmal langweilt es mich, Menschen zu fotografieren, dann fotografiere ich lieber Landschaften. Ich versuche alles so natürlich und aufrichtig wie möglich abzubilden, aber wenn jemand weiß, dass die Kamera auf ihn gerichtet ist, wird er sich auf jeden Fall anders verhalten. Die Straßen, Bäume und Tiere verändern ihr Verhalten dabei nie. Ich bin sogar von New York über Kanada nach Los Angelos getrampt, nur um eine Weile dies alles hinter mir zu lassen und mich auf die Natur zu konzentrieren. Das ist auch der Grund, weshalb ich meine T-Shirt-Linie "Where I Want To Be" entworfen habe. Ich wollte auch in meiner Umgebung in New York die Natur häufiger sehen. So erschien die Idee, T-Shirts mit einem Reiseziel darauf zu gestalten, passend. Jetzt wird Madewell diese Shirts in 18 Stores im ganzen Land vertreiben. So entsteht eine mobile Galerie, welche die Leute hoffentlich dazu veranlasst, ihr Haus zu verlassen und sie dazu bewegt, öfter mal etwas Neues auszuprobieren.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Mit meinem nächsten Projekt wird sich alles sehr schnell verändern und in eine neue Richtung führen. Für eine Weile fotografierte ich immer in derselben Atmosphäre, da ich mich von anderen Fotografen abgrenzen wollte, um mir selbst einen Namen zu machen. Ich war müde, mit den frühen Arbeiten von Ryan McGinley verglichen zu werden, nur weil ich Aktfotografie im Freien machte. Am Anfang hatte ich weder ein Studio noch einen Stylisten, so war es für mich einfach logisch so zu fotografieren. Statt Models in ihrer natürlichen Schönheit in einem minimalistischem Setting zu zeigen, möchte ich jetzt etwas völlig Gegensätzliches versuchen. Ich möchte den Rahmen mit Texturen, Farben und Illusionen füllen. Ich möchte mehr mit Dramatischem und Cineastischem arbeiten als mit Dokumentation. Ich vermute, ich bin auch hier wieder eher ein Extremist genauso wie beim Thema Akt – wenn ich Make-up oder Kleidung benutze, muss es einen Grund dafür geben, eine Fokussierung.

Alter: 30

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Die besten Aktbilder junger Fotografen – jede Woche neu!