Akt Now: Ériver Hijano - Aktfotografie

Apokryphe Akte

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Ériver Hijano. Der in Kanada lebende brasilianische Fotograf hat eine Vorliebe für Bilder im Stile alter Meister, die sich gerne auch mal auf nicht-kanonisierte Bibelgeschichten beziehen dürfen

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich habe mich schon immer für den Akt interessiert. Meine Neugier und meine Motivation haben sich mit der Zeit verändert, aber es gab schon immer einen Drang, den menschlichen Körper zu dokumentieren und zu repräsentieren. Obwohl ich mit Akten für verschiedene Zwecke gearbeitet habe, finde ich den nackten Körper sehr schön – nicht nur im traditionellen Sinn von Schönheit, sondern als etwas, das bedacht und geschätzt werden muss. Darüberhinaus spüre ich in der Aktfotografie den Kampf zwischen Selbstvertrauen und Verletzlichkeit. Dieser Kampf kann durch Spielereien und Ehrlichkeit gefiltert werden, aber er ist immer vorhanden. Das hat mich in letzter Zeit stark interessiert. Die intellektuellen und bewussten Aspekte der Produktion und des Wahrnehmens von Akten werden umgeben von den unmittelbar unbewussten und unleugbar biologischen Aspekten, die einen Akt von allem anderen unterscheiden. Manche fühlen sich dabei wohl, andere nicht. Am Ende geht es beim Akt vor allem um uns Menschen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Es gibt immer Tabus. Wir leben in einer Welt mit so einem breiten und ausdifferenzierten Verständnis von Kultur, dass es unmöglich ist, zu einem Konsens über richtig und falsch zu finden. Ich versuche, mir keine Grenzen zu setzen. So lange wie ich fühle, dass meine Arbeiten gültig sind, werde ich für sie eintreten.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wenn er direkt die Gefühle angeht. Wenn man nichts lesen, erklären, verstehen oder erzählen muss. Natürlich sind diese Dinge wichtig, aber ich glaube fest, dass sie zweitrangig sind. Oder sogar unnötig, wenn der Betrachter das will. Das Foto muss als Bild funktionieren und den Betrachter involvieren.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Natürlich bin ich stilistisch viel mehr von der Malerei beeinflusst als von Fotografie. Aber ja, es gibt Myriaden von brillanten Fotografen. Bei Akten halte ich Bill Henson für einen absoluten Meister.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

In letzter Zeit mit den Konzepten von Transparenz, Idealisierung und Zufall in der Fotografie.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?
Ich habe immer mehrere Projekte im Kopf. Gerade skizziere ich noch, im Frühjahr kann ich mehr verraten.

Ériver Hijano

Hochschule/Ausbildung: Bachelor of Fine Arts in Photography / Ryerson University, Toronto, Canada (2010)
Alter: 25

http://eriverhijano.com
contact@eriverhijano.com