Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Franziska Hauser

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: die Selbstporträts von Franziska Hauser
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Franziska Hauser: aus der Serie "Schleier"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich fotografiere mich selbst, um etwas über meine Vorstellungen von Sex, Erotik und Schönheit herauszufinden.

Ich will als Model, als Fotografin und als Betrachterin darüber nachdenken. Vielleicht hat es in meinem Fall weniger mit meiner Arbeit als Fotografin zu tun, sondern ist mehr eine Suche nach der künstlerischen Verwendbarkeit meines Körpergefühls. Ich bin gespannt darauf, wie ich mit meinem Älterwerden umgehen werde. Ich habe mir vorgenommen, mich weiter nackt zu fotografieren und nichts zu retuschieren. Ich weiß noch nicht, ob mir das gelingen wird.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich kann meine Vorstellungen mit mir selbst als Model leicht umsetzen, und theoretisch gäbe es hier für mich keine Tabus. Praktisch aber doch, weil mir die Beziehung zu meinem Freund und meinen Kindern wichtiger ist als die Kunst. Ich ordne mich dem unter, was meine Familie als gesellschaftliches Tabu ansieht, obwohl ich es für mich alleine nicht als Tabu ansehen würde. 

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ich glaube, es ist wie mit jedem Kunstwerk, dass etwas Unwägbares darin sein muss. Ich glaube, dass auch ein Pornofoto versehentlich zum Kunstwerk werden kann. Es muss etwas drittes geben, neben der Idee und der handwerklichen Umsetzung. Man muss diesem dritten Element den Freiraum lassen, es entstehen lassen. Das geht, wenn man ein Gefühl dafür hat.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Mein inspirierendes Vorbild in der Fotografie ist Saul Leiter. Leider gibt es von ihm nur wenige Aktfotos. Er ist eine große Ausnahme, denn mir gefallen Aktfotos von Fotografinnen fast immer besser als von Fotografen. Männer fotografieren Frauen mit einem einseitigeren Blick. Frauen sind da vielfältiger. Mein Lehrer und Vorbild Arno Fischer hat Aktfotografie komplett abgelehnt. Obwohl er nicht mehr lebt, hadere ich noch immer mit ihm. Er hat Aktfotos nicht mit Pornografie in Verbindung gebracht, aber es war ihm unangenehm, und er konnte sie nicht als künstlerische Arbeit ansehen. Das war ein persönliches Problem und hatte vielleicht mit seiner Erziehung zu tun. Ich stand ihm sehr nahe, und es fühlt sich für mich immer noch ein bisschen verboten an, Aktfotos zu veröffentlichen.

Was war der peinlichste Moment? 

Ich habe mich von Fred Hüning, der in der Reihe Akt Now auch schon vorgestellt wurde, im Hotel Bogota fotografieren lassen. Später konnten wir darüber lachen, dass ich die einzige war, die seine Einladung zur Hotelsession total falsch verstanden hatte. Ich hatte das Konzept nicht gelesen, weil ich den Anhang der Mail übersehen hatte. Ich ging selbstverständlich davon aus, dass er mich nackt fotografieren will und habe mich sofort komplett ausgezogen. Die Session war dann etwas verkrampft.
Wir haben uns nachdem aufgeklärten Missverständnis ein zweites Mal zum Fotografieren getroffen und festgestellt, dass unsere Vorstellungen von Fotografie und Nacktheit sehr ähnlich sind. (Er hat komischerweise den männlichen Blick nur, wenn er seine eigene Frau fotografiert. Fremde Frauen fotografiert er mit einem fast weiblichen Blick.)

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in ihren Fotografien?

Ich möchte prinzipiell versuchen, dem Zufall den größtmöglichen Spielraum zu lassen. Aber wenn ich mich selbst fotografiere, funktioniert das nicht. Ich habe es in sehr vielen Varianten probiert, aber es ist nie etwas gutes dabei herausgekommen. Bei den Selbstporträts geht es nur mit Inszenierung. Das macht mir auch Spaß, aber ich sehe innerhalb meines Gesamtwerkes in meinen Aktbildern am wenigsten Kunst. Weil es mehr Inszenierung ist und weniger Zufall. Vielleicht liegt das aber auch an Arno Fischers drohendem Zeigefinger, den ich immer über meinen Aktbildern schweben sehe, dass ich sie so schwer als Kunst betrachten kann. Aber ich will nicht, dass er Recht hat und deshalb werde ich weiter suchen.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Es gibt Freundinnen, die sich immer noch hartnäckig weigern, sich von mir nackt fotografieren zu lassen. Die würde ich gerne überreden. Ich träume von einer Akt-Session mit vertrauten Freundinnen in einem leeren alten Schwimmbecken.

Franziska Hauser

Alter: 38

Nächste Ausstellung: Galerie F92, Berlin, mit Salonlesung, Frühjahr 2014

Hochschule/Ausbildung: Ostkreuzschule für Fotografie und Kunsthochschule Berlin Weißensee (Freie Kunst)

Preise/Stipendien: Stipendium der Stiftung Kulturfonds, 2003
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franziska@foto-haus.info