Akt Now! - Junge Aktfotografie

Akt Now: Sebastian Keitel

Es gehört zu den ältesten Themen der Kunstgeschichte: der Akt. Unsere neue Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Sechs Fragen an Sebastian Keitel.
Akt Now: Sebastian Keitel:Die Serie über junge Aktfotografie

Sebastian Keitel: Aus der Serie "Fat"

Herr Keitel, was reizt Sie an dem Thema Akt?

Sebastian Keitel: Was mich an dem Thema Akt reizt, ist die Auseinandersetzung mit dem Menschlichen Körper. Dabei geht es mir aber nicht um Nacktheit, was ja ein unabdingbarer Bestandteil eines Aktes ist, sondern um Körperlichkeit im Allgemeinen.

Gesellschaftlich steht die Beziehung zum eigenen Körper unter stetem Wandel. Noch nie zuvor waren Menschen in der Lage, so frei darüber zu entscheiden, was mit ihrem Körper geschieht, und das bleibt nicht ohne Folgen. Phänomene wie Magersucht, Fettleibigkeit und Schönheitschirurgie sind Phänomene unsere Zeit. Toscanis "No anoressia" oder Ivonne Theins "Zweiunddreißig Kilo" sind schöne Beispiele dafür. Und genau das reizt mich an dem Thema, Aktfotografie kann mehr als bloß schön sein.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich würde immer so weit gehen, wie es das Thema verlangt. Wenn ich etwas aussagen will, dann brauche ich eine Sprache, die in der Lage ist das zu formulieren. Was mich dabei begleitet ist meine eigene Wertvorstellung und der Gesetzgeber.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ein Akt muss über die reine Darstellung hinausgehen, muss mehr sein als bloße Körperschau. Erst wenn sich über das bloße Betrachten hinaus etwas tut, wenn bei dem Betrachter etwas hängen bleibt, eine Erkenntnis, eine Fragestellung oder einfach nur Verwirrung, ist ein Akt mehr. Ob er dann schon Kunst ist, kann und wird nur die Geschichte entscheiden.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Ich nenne hier bloß ein Vorbild von vielen, und das ist Sergey Bratkov mit seiner Serie "Kids". Für mich eine verstörende Arbeit, die der Gesellschaft auf sehr subtile Weise den Spiegel vorhält. Sie bricht ein Tabu, vereint Schönheit, Schrecken und, wenn man sie sehen will, Kritik. Genial!

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Mein Hauptthema ist der Mensch und was er hier so tut auf der Welt. Ich finde es fantastisch, sich mit etwas auseinander zusetzten und dafür ein geeignetes Medium gefunden zu haben. Die Fotografie kann so viel, und dafür werde ich sie benutzen. Wenn mich etwas interessiert, versuche ich es fotografisch zu fassen, was, wenn es mir gelingt, sehr befriedigend ist. Es muss einen gesellschaftlichen Bezug haben, dann ist mein Interesse geweckt.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Es gibt so viele Ideen, die es alle verdient haben realisiert zu werden. Es reicht mir zudem, mich mit dem auseinanderzusetzten, was ich jetzt realisieren kann. Was ich machen würde wenn ich könnte? Genau das was ich mache.

Steckbrief:

Hochschule/Ausbildung: Fh Bielefeld / Fotografie und Medien

Kontakt: mail@sebastiankeitel.eu

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