Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Maciek Jasik

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Maciek Jasik.
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Maciek Jasik: "Lindsay", 2010, aus der Serie: "Bypassing the Rational"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Mit der Kleidung kommt viel zu viel Kontext und Beiklang ins Foto – sie lenkt zu sehr ab und nimmt uns oft die Möglichkeit, auf jemanden zu gucken, ohne gleich zu verurteilen.

Der Akt ist unsere grundlegendste Form. Als Menschen werden wir von Bildern unserer selbst angezogen.

Als ich mit meiner Farbreihe begonnen hatte, konzentrierte ich mich zunächst auf Gesichter. Der Körper war der nächste logische Schritt. Ich verfolgte damit kein Ziel – was sehr befreiend war. Es hat sich mit der Zeit organisch entwickelt. Ich entdeckte zunehmend meine Begeisterung in der Fotografie von Körperumrissen oder –bewegungen, die komplett neu waren – und in gewisser Weise auch verwirrend, da man dazu gezwungen war, genauer auf die Bilder zu gucken, damit sie einen Sinn ergeben.

Als Künstler musst du dir darüber im Klaren sein, was vorher war und wie du dich auf die Vergangenheit beziehen und sie überschreiten kannst.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Für mich geht es nicht um Tabus. Es geht eher um die Erwartungen – als was wir uns selbst sehen und was wir sein können. Ich habe mit Models gearbeitet, die Leute nicht gewohnt sind zu sehen – und diese waren oft die Kraftvollsten.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ich denke, dies ist eine sehr schwierige Frage, da die Antwort darauf sich permanent verschiebt und verändert, während wir uns an bestimmte Ästhetiken gewöhnen.

Ich glaube, dass der Hauptgrund die Absicht ist – wenn ein Aktfoto erotisch sein soll, verliert es seinen Wert als Kunst. Kunst überschreitet herkömmliche Gelüste und Verwendungen.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

In erster Linie kommt meine Inspiration von der Malerei – Francis Bacon als wichtigstes Beispiel. Seine Fähigkeit, das Groteske mit lebendigen, wunderschönen Farben zu vermischen, finde ich wahrlich unglaublich. Ich fühle mich von gegenwärtigen Arbeiten angezogen, die unter dem Einfluss Bacons stehen, zum Beispiel Werke von Ian Francis, Nicola Samori, Alex
Kanevsky, Adrian Ghenie, Justin Mortimer und andere. Meine ursprüngliche Inspiration für den Einsatz von Arbeit und Unschärfe kam von den post-impressionistischen Bildern von Paul Cezanne, Odilon Redon, Edgar Degas und anderen.

Das Künstlerduo Synchrodogs aus der Ukraine ist unglaublich! Sie sind so kreativ und witzig. Tierney Gearons Projekt "Explosure" überwältigt mich jedes Mal, wenn ich es mir ansehe. Es ist magisch. Viviane Sassens Ansatz für Porträt und Farbe ist wundervoll. Ich versuche auch immer die spontane Schönheit in Ryan McGinleys Arbeiten zu denken. Ich mag auch Steven Klein sehr – er ist so komisch, er treibt das Groteske in so vielen sonderbaren Arten und Weisen an. Jeff Barks akkurater Einsatz von Farbe ist für mich ebenfalls unglaublich.

Ich nutze Tumblr (Red. Foto-Plattform) oft, um neue Bilder und Ansätze zu finden, die ich normalerweise niemals in Betracht ziehen würde. Bilder von großen Meistern und Amateuren finden sich in den Listen auf Tumblr nebeneinander; es ist wirklich demokratisch und durcheinander. Ich schätze das sehr.

Es sollte jetzt auch nicht überraschend klingen, dass ich die Filme von David Lynch verehre.

Was war der peinlichste Moment?

Ich glaube, es war das erste Mal, als ich einen nackten Mann in meinem Studio fotografiert habe. Ich dachte, nun gut, da springt ein nackter Mann um mich herum. Das ist jetzt mein Leben! Mittlerweile ist es für mich ganz normal geworden.

Für eine Arbeit habe ich eine Domina fotografiert. Ich hatte sie vorher noch nie getroffen, sie kontaktierte mich über eine Fetisch-Webseite, wo ein anderes meiner Models für mich geworben hatte. Sie brachte eine Freundin und einen ihrer Kunden mit, die ebenfalls für mich posierten. Er machte sich große Sorgen um sein Aussehen und bestand darauf, Liegestützen zu machen, damit er muskulöser aussieht. Am Ende hatte er Bedenken und bestand darauf, alle Fotos selbst zu inspizieren, um sicher zu gehen, dass er darauf nicht zu erkennen war. Es war eine unglaubliche Mischung aus Eitelkeit und Angst.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Der Zufall und kleinere Unfälle sind zentral für die Art, wie ich arbeite. Ich baue eine Bühne auf, mit Blitzen und Farben. Die Models haben dann ein Areal, in dem sie arbeiten können, so bleiben sie innerhalb meines Bildes. Ausgehend von dieser Vorgabe, arbeiten wir mit Bewegungen, indem wir verschiedenste Start- und Endpunkte für den Körpereinsatz ausprobieren. Wir machen eine Pause und sehen uns die Bilder auf dem Computer an. Wenn wir etwas Interessantes sehen, probieren wir diese Bewegung weiter aus. Dieser Prozess wiederholt sich immer und immer wieder, bis wir etwas Einzigartiges und Wundervolles finden.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich habe die letzten zwei Jahre an einem Landschaftsprojekt gearbeitet, in dem es um den amerikanische Körper geht und seine Verbindungen zu der Landschaft im kalifornischen Death Valley. Ich hoffe, ich kann das Projekt dieses oder nächstes Jahr abschließen. Ich weiß nicht, wie es danach weitergeht. Das Abenteuer wird fortgesetzt.

Maciek Jasik

Alter: 35

Ausbildung: Bachelor of Arts, Johns Hopkins University
http://maciekjasik.com
mjasik@gmail.com

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