Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Peter Kaaden

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Peter Kaaden
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Ryan McGinley ist Vorbild vieler junger Fotografen, Peter Kaaden assistierte ihm

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Vielleicht sollte man es in meinem Fall nicht Akt, sondern einfach nackig nennen.Ich bin einfach jung, und meine Fotos und ihr Inhalt spiegeln mein Leben wieder.

Und da spielt Nacktheit einfach eine große Rolle. Es geht mehr darum, ein Gefühl zu vermitteln als darum einen klassischen Akt zu fotografieren. Viele Menschen sind anscheinend zu verklemmt, um ihre Interessen nach außen zu zeigen. Ich zeige einfach offen, was mich interessiert. Und da zum Beispiel das Internet zu einem hohen Prozentsatz aus Pornos besteht zeigt das, dass Nacktheit und Sex anscheinend noch einigen anderen Leuten gefällt. Ich habe lange Zeit für Ryan McKinsey in New York gearbeitet, das Ganze gab mir nochmal zusätzlich den Schub, mich noch viel, viel mehr mit Nacktheit allgemein zu beschäftigen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Wenn es Tabus geben würde, würde ich mir ja selbst nicht treu sein. Meine Fotografie ist ehrlich und direkt. Das ist auch der Grund, warum ich analog auf Film und ohne Photoshop arbeite. Es geht aber auch sehr viel darum, Grenzen auszureizen und zu gucken, wie weit kann ich gehen beziehungsweise möchte ich gehen. Das funktioniert aber nicht, wenn man sich seine Grenzen schon im Vorfeld zu eng definiert. Tabus wären für mich also nur ein Hindernis. Deswegen gibt es sie glaube ich nicht.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ich habe kürzlich ein uraltes Interview mit Nobuyoshi Araki gelesen. Ich liebe seine Arbeit. Er sagte, Fotos sind für ihn nur Fotos, und um den ganzen Rest macht er sich keine Gedanken. Nackt oder nicht nackt ist total egal. Das beschreibt es eigentlich ganz gut. Ich denke überhaupt nie darüber nach ob man meine Bilder "Kunstwerke" nennen sollte. Es ist halt das, was ich mache und lebe. Jeder Mensch sollte mit sich selbst ausmachen, was er für ein Kunstwerk hält und was nicht, statt stumpf der Definition der Masse oder Din-Norm des Begriffs folgen.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Es gibt so viele Vorbilder. So viele tolle Leute, die ich bewundere. Juergen Teller, Nobuyoshi Araki, Anders Petersen, Ryan Mcginley, um nur einige zu nennen. Ganz oben steht da Boris Mikhailov. Ich bewundere die Ehrlichkeit und den Humor in seinen Arbeiten so so so sehr. Mikhailov hat einen ganz großen Einfluss, auf das was ich tue und mit welchem Hintergrund ich es mache.

Was war der peinlichste Moment?

Es gibt so viele komische Situationen. Oft möchte ich zum Beispiel Menschen gerne fotografieren. Bei manchen sage ich das einfach direkt. Es gibt aber auch Personen, die schwer einzuschätzen sind, und da es in meinen Bilder auch oft eben um Nacktheit geht, gibt es deswegen oft schräge Situationen. Eine witzige Geschichte: Ich bin momentan mit der Band "Reptile Youth" auf Tour in Großbritannien. Gerade waren wir in Hull, im Norden Englands, und dort gab es eine Bar vor der uns die Rezeptionistin im Hotel strengstens gewarnt hatte.

Aber das ist so, als sagt man einem Kind: "Iss bloß keine Süßigkeiten." Eine junge dänische Band und ein Fotograf wie ich. Na klar, wir gingen natürlich hin und waren nach einiger Zeit recht betrunken. Dort war dieser englische Hooligan – so einer wie man ihn aus Filmen kennt. Er und seine Freundin haben wild rumgeknutscht und sich gegenseitig halb ausgezogen. In so Momenten kann ich nicht anders und ich musste ein Foto machen. Das ließ den Herren ausflippen und er tat mir weh :) Das Peinliche oder Doofe daran ist, die Band hat's auch abbekommen. Nur wegen meines Fotos. Die nehmen mich bestimmt nicht nochmal mit.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Wenn ich könnte, würde ich die Inszenierung ganz weglassen. Zufallsbilder sind meiner Meinung nach immer die besseren. Ich gehe niemals ohne eine Kamera aus dem Haus. Ich hab sogar immer eine unter meinem Kopfkissen. Es könnte immer etwas Interessantes passieren, und ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich eine solche Situation nicht fotografiert hätte.

Irgendwann wurde es mir aber einfach zu langweilig, immer auf diese Momente zu warten. Deswegen versuche ich anstatt Fotos zu inszenieren, Situationen zu kreieren und meine Modelle diese einfach möglichst natürlich erleben zu lassen. Natürlich gibt es immer eine Art-Direktion von mir, aber dadurch versuche ich, meinen Weg in der Mitte zwischen Zufall und Inszenierung zu finden.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Es gibt da so einiges. Für meine Ausstellung im nächsten Sommer habe ich mir einige Projekte gestellt. Aber ehrlich gesagt versuche ich gerade erstmal, alle meine bereits fotografierten Sachen aufzuarbeiten. Da ich das ganze Jahr durchgehend unterwegs war und nie wirklich irgendwo zu Hause, habe ich tausende Fotos noch nicht einmal digitalisieren können. Das wär mein kleines, aber auch irgendwie großes Ziel bis 2013.

Steckbrief:

Nächste Ausstellung:

Einige meiner Bilder hängen momentan in Gruppenausstellungen in Brighton und New York. Und im Juli 2013 wird es meine erste größere Einzelausstellung in Berlin geben.

Hochschule/Ausbildung:

Assistent für Ryan McGinley in New York

Assistent für Ruvan Wijesooriya in New York

Fotografie-Studium an der FH Dortmund

Fotografenausbildung


Alter:
23

Website:
www.peterkaaden.com
http://peterkaadenphotography.blogspot.com/
mail@peterkaaden.com