Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Rasha Kahil

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Rasha Kahil.
Aktfotografie: Rasha Kahil:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Rasha Kahil: "In your home" – Serie seit 2008

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich war schon immer davon fasziniert, wie sich über den "gewöhnlichen", nackten Körper so viele Emotionen, Bedeutungen und Botschaften äußern können. Es inspiriert mich jedes Mal aufs Neue, den Körper in Beziehung zu seiner Umgebung wahrzunehmen. Auf der einen Seite ist er dabei ein "materielles" Objekt, auf der anderen Seite ein Subjekt, erfüllt von Begierden und Vorlieben. In jedem Körper stecken unendlich viele Facetten – die es nur ans Licht zu bringen gilt.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?
Für mich gelten keine Tabus oder Einschränkungen. Es hängt alles davon ab,
wie das Modell, mit dem ich zusammenarbeite, sich selbst präsentiert. Ich
will nicht schocken, und ich bin auch nicht besonders an Themen interessiert,
die generell als Tabu gelten. Ich gehe so weit und so nah, wie es die
Zusammenarbeit mit dem Modell zulässt – und so ergibt sich für gewöhnlich
eine viel natürlichere Darstellung des Körpers.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?
Da können wir bei der allumfassenden Frage beginnen: "Wann ist Kunst Kunst?"
Ich sehe den Begriff "Akt" nur als Genre an, ähnlich wie das Porträt, die
Landschaft, die Dokumentation oder das Stillleben. Die Frage ist nicht, ob
ein Akt Kunst ist oder nicht, sondern eher: "Was ist Kunst in der
Postmoderne?".

Gibt es inspirierende Vorbilder?
Jede Ausstellung, die ich besuche, jede Arbeit, auf die ich stoße,
verändert meinen Kunstgeschmack. Zu den Texten von George Bataille, den
Zeichnungen des Malers Hans Bellmer und den eindringlichen Fotografien von
Roger Ballen fühle ich mich jedoch besonders hingezogen. In diesen Werken
steckt eine Rauheit, die meine eigene innere Resignation, anspricht und
jedesmal, wenn ich ihnen neu begegne, fühle ich die prickelnde Spannung.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?
Die Themen meiner Arbeit greifen alle irgendwie ineinander, und meistens
handelt es sich dabei um den Körper als das primäre Werkzeug, mit dem ich
den Zusammenstoß von Privatem und Öffentlichkeit, die Individualität der
Selbstdarstellung, Vertreibung, Leidenschaft und Tod erkunde. Obwohl ich vor
allem fotografiere, lasse ich der Botschaft die letztendliche Entscheidung
in welchem Medium meine Werke enden. So gab es bei mir auch schon Video-,
Text-, Installations- und Skulpturprojekte.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?
Ich würde gern bei meinen Themen bleiben, sie aber in komponierte
Stillleben umsetzen und dabei das Selbstporträt als Gegenstück nutzen.
Obwohl ich die jetzige Spontanität und Spannung, die von einem Modell
ausgeht, liebe, vor allem von denen, die zum ersten Mal als Aktmodell
arbeiten, würde ich gerne einmal mehr Kontrolle über ein Projekt haben, zum
Beispiel einmal Regie führen bei einer Erzählung in einem sorgfältig
aufgebauten Set, mit Requisite und Licht… Nur so ein Gedanke von mir!

"Rasha Kahil"

29 Jahre alt, Communication Art & Design Studium an der Royal College of Art, London
http://www.rashakahil.com/

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