Junge Aktfotografie

Akt Now: Michael Spears

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Michael Spears, der zwischen Inszenierung und Zufall seiner Linie treu bleibt
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Michael Spears: "Sayuri Bathtub", 2008

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Die Möglichkeiten. Ich sehe so viele Arbeiten, die viel mehr sind, als einfache Nacktfotos. Für mich wird "das Nackte" sowieso stetig neu definiert.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ehrlich gesagt habe ich schon alles gemacht. Selten zeige ich Fotos, wo man mich sieht – da ist für mich dann wohl eine Grenze. Fetische und solche Sachen sind nicht unbedingt mein Ding, hat aber in der Rubrik "Kunst-Fotografie" auch seinen Platz und seine Zeit.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wenn das Sehen durchbricht und unterbewusste Emotionen hervorruft. Kunst ist subjektiv schwer zu definieren. Vielleicht kann man sagen, dass sie dann Kunst ist, wenn ein Fotograf durch Licht, Komposition, Farbe und Thema Gedanken auslöst, die über eine einfache optische Erregung hinaus wirken.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Zeitgenössische Kunst und all deren dubiose Gebräuche und Institutionen beeinflussen mich. Es wäre toll, wenn meine Arbeiten etwas Nobuyoshi-Araki-mäßig wären, aber leider sind sie das kaum. Ansonsten liebe ich Ren Hang, aber jegliche meiner Imitations-Versuche sehen aus wie ein billiger Abklatsch. Es gibt so viele zeitgenössische Fotografen, an deren Arbeit ich auf eine gewisse Art und Weise nicht rankomme: Sasha Kurmaz, Melanie Bonajo, Lina Scheynius, Sandy Kim. Die würden alle einen Schulterklopfer von mir bekommen. Fotografien die von einer Idee leben sind einfach mein Ding. Und es gibt auch viele Fotografen, die ich beneide.

Was mich inspiriert, ist da eine völlig andere Frage. Musik inspiriert mich. Frauen, Künstler. Der unumgängliche Tod hat mich, wenn man so will inspiriert, lebende "Fossilien" festzuhalten. Vielleicht gibt es mal jemanden, der neugierig genug sein wird, um sich durch die Zeitkapsel der Fotografiegeschichte zu wühlen und meine Artefakte findet.

Was war der peinlichste Moment?

Letztens habe ich ein Model als "kurvig" bezeichnet. Tu das nie! Es sei denn, du kennst sie gut genug, um zu wissen, dass sie ausreichend Selbstbewusstsein hat, die Bemerkung wegzustecken.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in ihren Fotografien?

Ich bereite alles vor, aber gebe den Dingen eine Chance sich zu ändern. Klar gebe ich Anweisungen, aber nichts wird einstudiert. Normalerweise habe ich eine Liste mit Fotoideen. Manchmal fotografiere ich zum Beispiel meine Partnerin in privaten Situationen. Wenn ich einen Moment sehe, der mir wert erscheint, fotografiert zu werden, dann mache ich das normalerweise auch. Diese Fotos werden meistens richtig gut.

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Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich habe hohe und normale Ziele. Ich würde gerne mit Fotografie genug Geld verdienen, um eine Familie zu gründen und ernähren zu können. Das wird aber gerade in der heutigen Zeit mit digitalen Fotos, Bildbearbeitung und sozialen Netzwerken immer schwieriger. Ein weiterer Traum wäre es, eine Ausstellung in einer echten Galerie zu haben.

Meine erreichbaren Ziele sind: eine Serie von nackten Surfern (weiblichen natürlich) und eine Serie mit Porträts von Menschen, die an der Weißfleckenkrankheit leiden. Ansonsten würde ich gerne mehr Fotos machen, die man "prête-á-porte" nennen würde, also T-Shirts, Socken, Unterwäsche, Bücher oder Skateboards. Es ist einfach toll, seine Fotos aus dem Internet in einer konkreten physikalischen Form zu sehen.

Michael Spears

Hochschule/Ausbildung: Universität Boston, Bachelor of Science, Broadcasting und Film, 1993
Alter: 43