Akt Now! - Aktfotografie

Lisa Geue

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Lisa Geue
Aktfotografie:die besten Aktbilder junger Fotografen

Lisa Geue: "For Francesca", 2009

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Für mich ist der Begriff des Nacktseins kein großes Thema. Es ist nichts Metaphysisches, nichts Ungreifbares. Wir erleben es täglich, wenn wir uns duschen oder umziehen. Spannend finde ich deswegen, welche Reaktionen ein unbekleideter Körper auszulösen vermag.

Borniertheit und Scham kommen oft zum Vorschein, wenn eben genannter gezeigt wird. Dann frage ich nach dem Grund und dem Sinn. Es ist nichts weiter als ein Körper, bestehend aus Formen, Rundungen. Mal mehr, mal weniger. Wir erfühlen diese so gern mit unseren Sinnen, dem Tasten, dem Riechen und dem Sehen. Können wir die Nacktheit jedoch nur sehen, vergessen wir oft die Ästhetik dahinter und sind peinlich berührt. Ich möchte diese Ästhetik allein durchs Sehen unterstützen. Denn sind wir mal ehrlich, wir alle blicken doch gern hin.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Mich interessiert, wie weit andere gehen würden. Tabus? Dieses Wort existiert in meinem Wortschatz nicht.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wann wird Kunst zu Kunst? Diese Frage ist zu subjektiv, als dass ich sie allgemeingültig beantworten könnte. Einige verstehen Nan Goldins Fotografien als Pornographie, was sie dem Begriff des Kunstwerks somit fürs Erste entreißt, wogegen andere sie als schöngeistig und künstlerisch wertvoll empfinden. Für mich persönlich wird ein Akt zum Kunstwerk, wenn ich davor stehe und denke "Damn it. Wieso hatte ich nicht die Idee?", und danach denke ich mir "Danke für dieses schöne Werk."

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Genug um sagen zu können, dass ich sicher nicht ganz unbeeinflusst fotografiere. Francesca Woodman, David Hamilton, Margaret Durow: meine Lieblinge, wunderbare Werke, wunderschöne Aussagen in ihren Bildern. Aber ich habe auch viele talentierte Freunde in meinem Umkreis, wie Nora Heinisch und Caroline Eibl, die mir mit ihren Arbeiten zeigen, dass Schönheit in allem verborgen liegt. So eben auch in der Nacktheit.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Mit der Natur, der Beschleunigung, dem Vergangenem, dem Ursprung, dem Licht, dem Wasser, Empfinden, Gefühl, Unterdrücktem. Alles, was wir als verträumt ansehen oder einfach zu schätzen vergessen: Wie sich zum Beispiel Wasser ehrfürchtig auf der Oberfläche eines kleinen Flusses spiegeln kann als würde es sie kitzeln, weil es sich nicht traut, näher zu kommen. Ein Wald versetzt mich in Ekstase, sobald ich ihn betrete, Blätterrauschen, sich im Wind biegende Kiefern und kräftige Buchen verraten mir, wie Grün wirklich aussieht. Themen, die wir nicht thematisieren, es aber sollten.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Zuerst möchte ich Besitzerin einer Leica werden und dann mit ihr den Verfall von Erinnerungen festhalten. Vergangene Ereignisse aufleben lassen. Dinge, die ich mit der Kamera nicht festhalten konnte, möchte ich zurückbringen und aufzeichnen wie verpasste Kindheitserlebnisse. Da dies allerdings schwer umzusetzen sein wird, möchte ich mein Projekt "Issues" ausbauen und weitere Freunde dazu bringen, mir ihre Selbstzweifel zu offenbaren und wie ein offenes Buch zu präsentieren. Mein wohl lukrativstes Projekt auf lange Sicht heißt jedoch: Weiterentwickeln.

Lisa Geue

Nächste Ausstellung: geplant für 2012

Hochschule/Ausbildung: Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Uni Leipzig

Preise/Stipendien: Keine. Ich bin jedoch Optimist.

Alter: 23 Jahre
http://lisageue.tumblr.com/Kontakt
lisage@web.de

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