Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Kirsten Swensen

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Kirsten Swensen, die Akt als Kunst definiert, wenn er von Herzen kommt und eine Geschichte transportiert.
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Kirsten Swensen: "Alina"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Wenn ich das Terrain "Akt" betrete, sehe ich es als eine Plattform für unsere Gefühle, Ängste und Leidenschaften an. Im Akt erkenne ich eine andere Seite des Menschen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Wenn es zu einem Akt-Shooting kommt, kann ich nur für mich selbst sprechen und ehrlich gesagt, bin ich ein ziemlicher Kontrollfreak. Du musst dennoch einen Teil von dir gehen lassen, Menschen haben Angst davor, wie sie auf andere wirken könnten. Es gibt keinen Weg zurück. Ich finde es sehr interessant, normale Menschen zu fotografieren. Letztlich sind wir alle gleich. Das Schöne daran, keine professionellen Models, sondern Laien zu fotografieren, ist, dass sie etwas Raues haben und es nicht mal wissen. Am interessantesten wird es, wenn ich Models finde, die noch nie zuvor nackt posiert haben. Es ist eine spannende Herausforderung für mich und das Model, einen Weg zu finden, miteinander und der situativen Spannung zurechtzukommen. Ich kann so weit gehen, wie ich muss. Schließlich möchte ich etwas Bestimmtes von dem Model und wir beide wissen das. Nur das Model ist sich teilweise nicht bewusst darüber, was ich genau von ihr oder ihm erwarte. Nicht immer kann ich ihnen verraten, was ich vorhabe, denn wenn sie es wüssten, würden sie sich auf das, was auf sie zukommt, vorbereiten. Ist in diesem Zusammenhang meine Auffassung von physischer Verletzbarkeit moralisch vertretbar? Vielleicht nicht. Aber manchmal musst du im Auftrag deiner Arbeit Opfer bringen. Dafür ist gegenseitiger Respekt sehr wichtig.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Die meisten Menschen würden zustimmen, dass wir Obszönität definieren und eine Grenze ziehen müssen, die der Künstler nicht übertreten darf. Wo ziehen wir diese Grenze, wenn wir jemanden nicht verletzen möchten, aber gleichzeitig wollen, dass jeder das Recht hat, sich frei auszudrücken, wenn es zur Aktfotografie kommt. Menschen sind, soweit ich weiß, die einzigen Lebewesen, die fähig sind zu Selbstreflexion und Scham. Sie haben für sich selbst Regeln aufgestellt. Deshalb definiere ich ein Aktbild als Kunst, wenn es von Herzen kommt und eine Geschichte transportiert. Es kann sich um eine sehr einfache Geschichte über Schönheit handeln, es kann aber gleichsam eine Erzählung über das Übertreten von Grenzen sein.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Die meisten Menschen mögen Sanne Sannes oder Wolfgang Tilmans, mich jedoch inspirieren Sally Mann und Künstler wie Olafur Eliasson. Was beide verbindet, ist, dass sie sich mit ihren Arbeiten im Moment, im Hier und Jetzt bewegen. Sie suchen einen Augenblick der Ekstase, eine bestimmte Erfahrung und Emotionen.

Was war der peinlichste Moment?

Einer der unangenehmsten Momente, die ich erlebt habe, war mit diesem Mädchen. Sie sah wie eine geschäftlich erfolgreiche, kontaktfreudige Person aus, die sich in ihrem Körper nicht schämte. Ich persönlich dachte, es sei leichter für sie von einer Frau fotografiert zu werden, von jemandem mit dem gleichen Geschlecht. Aber genau das Gegenteil traf zu. Sie dachte am Anfang genau wie ich, doch während des Shootings fühlte sie sich extrem unbehaglich, ich konnte es in ihrem Gesicht sehen, aber sie wollte dieses Gefühl nicht zugeben. Ich fragte sie, ob wir eine Pause machen sollten. Ihr Gesicht war gezeichnet von Angst und Unsicherheit. Ich hatte das nicht erwartet, es war ein ordentlicher Misserfolg und sehr unangenehm für uns beide. Dennoch war diese eine sehr wichtige Fotositzung, weil sie genau das symbolisierte, wonach ich suchte: sie auf der einen Seite nicht zu beschämen, aber auf der anderen Seite ihre Verletzlichkeit zu zeigen, was letztlich ein ziemlich kühnes Unterfangen ist.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in ihren Fotografien?

Meine Art und Weise zu fotografieren ist speziell auf mich zugeschnitten. Ich versuche, eine gute Stimmung zu erzeugen, die persönlich, systematisch und instinktiv ist. Eine Stimmung, die körperliche Freiräume und Emotionen kreiert, in der ich Teilnehmer und nicht Regisseur bin. Ich vermeide es, im Vorhinein zu definieren, was ich genau fotografieren möchte. Die getroffenen Entscheidungen sind unterbewusst, aber die Obsession bleibt konstant. In meinen Porträts geht es um raffinierte Bewegungen in Gesicht und Körper, um den Übergang von der Anspannung zum fließenden Verlauf. Ich verliere auf eine bestimmte Weise die Kontrolle in diesem Prozess, aber er erlaubt mir dennoch weiterhin Teilnehmer zu sein, ansttat nur bloßer Beobachter. Das Wesentliche in der Situation, die ich herbeiführe, ist die Spannung, die sich außerhalb meiner Kontrolle entfaltet. Daher spielt der Zufall eine sehr große Rolle. Ich vermeide es, ein Gefühl zu inszenieren, obwohl es sehr schwierig ist, in einem Bild festzumachen, was echt ist und was nicht. Ich denke, der Zufall ist der Schlüssel.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich betrachte mich selbst als sehr visuelle Künstlerin, die sich in verschiedene Richtungen bewegen möchte. Ich verwende dabei nicht nur ein Mittel, sondern drücke mich selbst mit einer Reihe von unterschiedlichen Medien aus. Ich beschränkte mich zunächst auf Fotografie, die ich nach wie vor sehr liebe und die weiterhin ein sehr wichtiges Medium für mich ist. Nach einiger Zeit entwickelte ich den Drang mich weiterzuentwickeln. Ich war begeistert vom digitalen Bereich und seinen neuartigen Technologien, aber nach wie vor ein großer Fan der Analogfotografie. Jene Kombination von Interessen war irritierend, aber gleichzeitig interessant. Deshalb entschied ich mich weitere Nachforschungen im Bereich des Spannungsfeldes zwischen Alt und Neu zu unternehmen: alte Methoden versus neue Technologie. Eines meiner zukünftigen Projekte wird die Veröffentlichung meines Buches sein: "Closing In". Es ist ein Langzeitprojekt, das sehr persönlich ist. Mein Traum ist, nach Japan und an andere Orte zu reisen und das gleiche in anderen Ländern zu tun, was ich mit meinem Buch in meinem Heimatland getan habe, meine Herangehensweise an die Fotografie im Ausland zu etablieren und eventuell meine Forschungen zu veröffentlichen. Ich möchte meinen Blick auf Körpersprache, persönliche Freiräume und Verletzbarkeit demonstrieren. Seit ich zudem eine 3D-Künstlerin bin, ist einer meiner anderen Träume, Installationen zu bauen und den Menschen einen Eindruck von Video-Jockeying auf der ganzen Welt zu geben.

Kirsten Swensen

Kirsten Swensen, Video-Jockey und Visual Artist lebt in Eindhoven, Niederlande.

Nächste Ausstellung: "Imaginary planets" in der Lab-1 Gallery, Eindhoven

Ausbildung: AKV St. Joost Academy of Arts

Auszeichnungen: Nominierung für GUP NEW Dutsch Photography Talent, 2013

Alter: 21
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