Akt Now! - Aktfotografie

Natasja Maria Fourie

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Natasja Maria Fourie
Akt Now: Natasja Maria Fourie:Akt Now: Natasja Maria Fourie

Natasja Maria Fourie: "Mengxi, Las Palmas", 2011, aus der Serie "Time.Space.Women"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Zuerst würde ich gerne klarstellen, dass ich Porträtaufnahmen von nackten Menschen mache. Man sollte das nicht mit Akten verwechseln.

Ich habe eine Leidenschaft für Nacktporträts. Der nackte menschliche Körper wirft viele drängende psychologische Probleme auf. Meine Porträts beschäftigen sich mit den komplexen Gefühlen, wenn jemand nackt ausgezogen ist: dem Gefühl von Scham, Freude oder auch Gleichgültigkeit. Nacktsein heißt, ein Mensch zu sein, sterblich zu sein.


Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich würde niemals jemanden in einer Situation porträtieren, in der ich mich selbst unwohl führen würde, wenn die Kamera auf mich gerichtet wäre. Es gibt kein privates Leben mehr und keine privaten Handlungen. Wir leben in einer Zeit, wo wir alle zu einem gewissen Grad ausgestellt sind. Um die Geschichte vom Verhüllten und vom Nackten zu erzählen, muss ich absolut ehrlich zu mir selbst sein. Ich muss mich selbst hinter der Kamera exponieren und darf mich nicht dahinter verstecken. Die Fotografien, die ich von anderen mache, müssen so nahe dran sein wie Selbstporträts. Es ist eine riskante Ausgangssituation mit vielen Hürden, die man überwinden muss – aber es ist eine schöne und aufregende Erfahrung.


Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Akte haben mit Schönheit zu tun, mit Verdinglichung und Oberfläche. All dies kann Kunst sein und auch geschmackvoll. Meine Nacktporträts handeln von anderen Themen: Sie zeigen, wie wir unser Leben und unseren Körper teilen. Es ist sehr wichtig herauszuarbeiten, wo Nacktporträts in einer Beziehung zur wachsenden Flut an pornografischen und voyeuristischen Bildern steht, die sich vor allem an ein männliches Publikum richten.


Gibt es inspirierende Vorbilder?

Denken Sie an die Nackt-Gemälde von Lucian Freud, wie er mit der Sinnlichkeit spielt und mit dieser Verwicklung. Ich liebe die Arbeiten von Andrew Wyeth, die Einfachheit und Intimität, mit der er das Land und die Menschen um ihn herum behandelt. Ich mag vor allem die subtilen Charakterzüge in seinen Gemälden; sein Werk ist stimmungsreich und provoziert wirklich starke Gefühlsströmungen.

Zu den weiteren Künstlern gehört Nan Goldin; ihr rohes Tagebuch handelt von unserer Kultur der Leidenschaften und Abhängigkeiten, ob es nun Drogen sind oder Sex oder Beziehungen. Tracey Emin: Ihre Stoffe und ihr intimes Storytelling zieht sie aus ihrem persönlichen Leben; und Rineke Dijkstras simple Einzelporträts von Jugendlichen und schwangeren Frauen. Ich liebe die Nackten von Jock Sturges und die schwarzweißen Porträts, die Sally Mann von ihren kleinen Kindern aufgenommen hat. Larry Clark: An ihm reizt mich die ausnehmend ehrliche Art, wie er Bilder macht.

All diese Künstler beeinflussen zu einem gewissen Grad meine Arbeit.


Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Meine Porträtarbeiten beschäftigen sich mit dem Zulassen von Menschlichkeit, mit Identifkation. Damit, wie ich mich im Anderen finde. Meine Fotografien sollen die menschliche Verwundbarkeit herausarbeiten. Ich bin auf Nacktporträts fokussiert. Fotografie ist ein Prozess, um diese Grenzen zu durchbrechen. Um intimer zu werden, verwundbarer, ehrlicher mit den Leuten und mir selbst, fotografiere ich.


Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich mache sehr viele Fotos, ohne mir vorher bestimmte Vorstellungen gemacht zu haben. Wenn ich die Fotografien anordne, fängt das mit freiem Assoziieren an. Am Ende reihe ich sie aneinander wie die Erinnerung an einen Traum, eine lang vergangene Begegnung. Es ist ein organischer Prozess. Einige dieser Begegnungen sind real, die meisten sind Zufälle und einige völlige Einbildung, aber letztlich entstammen sie alle dem gleichen Ort. Ich würde gerne einen mich sehr inspirierenden Fotografen zitieren, Antoine D’Agata: "Es ist nicht wichtig, wie der Fotograf auf die Welt blickt, sondern welche intime Beziehung er zu ihr hat."
Die meisten meiner fotografischen Essays enthalten sowohl alte als auch neue Werke. Einige Fotos stamen aus dem Jahr 2006, als ich mit dem Fotografieren begann. Tief innen drin glaube ich, dass die gesamte Arbeit von der gleichen Quelle kommt, dem Thema, das ich in mir trage: meine Dämonen, meine Zweifel und ich selbst. Ich mag es, meine alten Arbeiten nochmal anzuschauen. Es hilft mit zu verstehen, wie ich mich entwickelt habe – nicht nur als Fotografin, sondern auch als Person. Es ist ein sehr erfüllender Prozess. Ich möchte weiterhin Werke schaffen, die ehrlich sind und glaubwürdig.

Natasja Maria Fourie

Steckbrief: Die 25-jährige Natasja Maria Fourie stammt aus Südafrika und lebt derzeit auf den Bermuda-Inseln. Sie studierte Visuelle Kommunikation und Graphikdesign in Kapstadt und brach ihr Studium mit 20 Jahren ab. Um Fotografin zu werden, zog sie nach London, wo sie bekannten Modefotografen assistierte, unter ihnen Emma Summerton.
Ausstellungen und Preise: Fouries Arbeiten wurden unter anderem in New York, Paris, Mailand, Shanghai und Tokio gezeigt. Sie gewann im April den Wettbewerb „10 Best 10“ für junge Fotografen. Am 23. Juli beginnt eine Gruppenausstellung mit ihren Werken in der Shoshana Wayne Gallery, Los Angeles.
http://www.natasjamariafourie.com
natasjafourie@gmail.com

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