Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Rosario Gallardo

Er gehört zu den ältesten Themen der Kunstgeschichte: Der Akt. Unsere neue Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Das italienische Fotografenduo Rosario Gallardo

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Rosario Gallardo: Uns interessiert vor allem die Kraft, die die Aktfotografie durch die Nacktheit und die Schönheit des Körpers ausstrahlen kann. Wir versuchen, Sexualität in einem spannenden Kontext zu präsentieren. Dadurch wollen wir
ein neues soziales und ästhetisches Bild erschaffen. Die wichtigste Regel bei unserer Arbeit ist die Freude, diese beeinflusst die Bilder und macht sie bewegend.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Unsere Arbeit beginnt bei einem kleinen Tabu: mit dem Exhibitionismus. Dieser lässt den Körper schamhaft wirken und die Sexualität als Perversion aussehen. Wir machen uns nicht wirklich Gedanken, wie wir mit Tabus umgehen
oder sie verhindern: Wir lassen uns von unserem Empfinden und unserem Geschmack leiten.


Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Was ist denn überhaupt eine künstlerische Arbeit? Wir wollen nicht den Platz von Kritikern oder Philosophen einnehmen: Wir wissen es einfach nicht. Wir wissen nur was wir mögen. Wir wollen zum Beispiel ein pornografisches
Foto etwas poetischer erscheinen lassen oder einem künstlerischen Aktfoto den richtigen Anteil von Anstößigkeit verleihen. So kann man die Menschen an die Sexualität heranführen. Wir mögen ein Aktfoto dann, wenn es auf
irgendeine Weise revolutionär ist. Wenn es unsere Ansicht über ein oft sehr starres Thema verändert, vor allem das der Schönheit, Sexualität und Erotik.


Gibt es inspirierende Vorbilder?

Wir bekommen viel Inspiration von Fotografen wie Araki, Richardson, Saudek, Witkins und Teller. Aber auch japanische Shunga Malereien, wie die großartigen Arbeiten von Schiele und Peppiono O´Meccanico, sowie Gedichte
von Ballard sind für uns sehr wichtig. Faszinierend ist auch Caravaggio, weil er mehr über die Nutzung von Licht wusste als andere Maler. Die wichtigste Inspiration sind zur Zeit die ständig neuen Fotos und Ideen die wir täglich im Internet finden.


Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Wir sind fasziniert von Städtelandschaften und dem Kontrast zwischen kalter, rationaler Architektur großer Städte und dem dreckigen und neurotischen Chaos der dort lebenden Menschen. Wir wollen einfach unser alltägliches Leben in diesem Umfeld zeigen.


Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Wir wollen unsere Projekte weiterhin vielschichtiger machen. Sie durch Live-Ausstellungen erweitern und auch ohne den institutionellen Weg Menschen auf der Straße erreichen. Nebenbei haben wir auch mit einigen Videoarbeiten
begonnen, wir finden es sehr interessant, das starke Potenzial bewegter Bilder zu nutzen.