Akt Now: Daniel Harders - Aktfotografie

Akt Now: Daniel Harders

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Daniel Harders, dessen Aktfotografie den Betrachter zum Nachdenken bringen soll.
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Daniel Harders ist Absolvent der Ostkreuzschule für Fotografie. Er setzt während eines Shootings auf den Zufall. Daniel Harders: "Markus", 2011

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

In erster Linie reizt es mich, Menschen zu treffen und zu fotografieren. Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob sie nackt sind oder angezogen.

Bei den Nacktporträts (ich mag bei meinen Bildern nicht von Akt sprechen, da sie viel roher und direkter sind als klassische Aktaufnahmen) gibt es mehrere Punkte, die ich spannend finde: Erstens ist es interessant zu sehen, wie sich das Verhalten von Menschen ändert, wenn sie nackt sind. Meiner Erfahrung nach werden sie offener und nach einer gewissen Zeit spielt die Nacktheit keine Rolle mehr. Zweitens finde ich ­trotz der Zeitlosigkeit der einzelnen Bilder ­die Zeit spannend, die zwischen den Aufnahmen liegt. Darum arbeite ich auch gerade an einem Langzeitprojekt, bei dem ich dieselben Personen in unregelmäßigen Abständen immer wieder fotografiere. Die Fotos, die ich hier zeige, stammen aus diesem Projekt, bei dem zwischen einigen Aufnahmen mehr als drei Jahre liegen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich bin bislang an keine Grenze gestoßen, und Tabus habe ich, ­zumindest was Nacktporträts betrifft, ­ auch keine. Allerdings respektiere ich die Grenzen der anderen.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Meiner Ansicht nach wird ein Akt zum Kunstwerk, wenn es mehr abbildet als nur einen nackten Körper und damit den Betrachter zum Nachdenken bringt.

Haben Sie Vorbilder, die Sie inspirieren?

In Bezug auf die Nacktportraits finde ich das schwer zu sagen. Als ich mit der Fotografie anfing, haben mich vor allem die Arbeiten von Wolfgang Tillmans, Nan Goldin und Larry Clark sehr beeindruckt. Ich vermute, das sieht man meinen Bildern auch heute noch ein wenig an.

Was war der peinlichste Moment?

Ich denke, wenn man sich auf die Situation und sein Gegenüber einlässt und genau weiß, was man tut, können eigentlich keine peinlichen Momente entstehen.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Inszenierung spielt bei mir so gut wie gar keine Rolle und besteht höchstens darin, einen Ort in der Wohnung auszusuchen, der mir für ein Porträt geeignet erscheint. Wie sich mein Gegenüber dann verhält und selbst inszeniert, ist ganz ihm überlassen. Mit einer solchen Offenheit können einige besser und andere nicht so gut umgehen. Es liegt dann an mir, im Zweifelsfall eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich das Gegenüber wohlfühlt und das Außergewöhnliche der Situation vergisst.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Zunächst einmal hoffe ich, dass ein erster Teil des angesprochenen Langzeitprojekts dieses Jahr noch fertig wird. Daraus sollen dann eine Ausstellung und ein Buch werden. Nachfolgende Projekte habe ich schon im Kopf, sind aber noch nicht spruchreif.

Steckbrief:

Name: Daniel Harders

Alter: 37

Hochschule/Ausbildung: Ostkreuzschule für Fotografie, 2009 Abschluss bei Prof. Ute Mahler
http://www.daniel-harders-fotografie.de
d.harders@gmx.net