Akt Now - Aktfotografie

Damien Vignaux

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Damien Vignaux, der mehr an Geometrie und Formen interessiert ist, als am Begehren.
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Damien Vignaux wählt seine Modells "so aus, wie ich eine Schriftart für ein Poster aussuchen würde." Hier sein Bild: "Gwen", 2012

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Meine Herangehensweise an die Aktfotografie ist grafisch. Ich komme vom Grafikdesign, und ich fotografiere Kompositionen, Linien, Formen, und ich wähle ein Modell so aus, wie ich eine Schriftart für ein Poster aussuchen würde.

Alles in allem habe ich einen konstruktivistischen oder modernen Blick. Ich mag nackte und dünne Linien, spiele gerne mit Raum, Geometrien und Perspektiven. Ich entscheide mich meist für dünne Körper, nicht wegen des Modeklischees, sondern weil ich Struktur mag und Körper wegen ihrer Winkel und Linien schön finde. Formen müssen lesbar sein, es braucht Bewegung in den Spannungslinien und darüber ziehe ich dann eine Art Zuckerguss aus natürlichem Licht, ganz ohne Blitz. Ich liebe es, Mode zu fotografieren, aber wenn das Styling nicht Kick-Ass-mäßig ist, ziehe ich die Aktfotografie vor.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich inszeniere alle meine Fotosessions, um eine Geschichte zu erzählen. Ich bin ein Regisseur. Ich denke nicht, dass es im Kontext meiner Fotografie um Sexualität geht. Ich bin für alle Themen offen, zum Beispiel Bondage oder Fetisch, aber als Ästhetik, nicht als persönliche Suche oder so. Ich habe keine Grenzen für Themen, die ich interpretieren kann.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

So wie jedes andere Bild als Kunst gilt.

Wenn man den Körper als ein ästhetische Element der Komposition versteht, auf einer Ebene mit dem Licht oder dem Rahmen – und eben nicht als Objekt des Begehrens. Der Betrachter kann (und wird) Begehren in deine Geschichten projizieren. Aber ich fotografiere nicht, um zu erregen. Ich fotografiere und komponiere Geschichten voller Schönheit. Ich würde nicht sagen von schönen Menschen, weil ich Charaktere fotografiere. Aber ich wähle den Rahmen so und nutze meine Kamera (zum Beispiel durch die Verwendung eines festen 50-Millimeter-Objektivs) so wie die Schule der Photojournalisten. Ich werde nie einer der Fotografen sein, die sagen, sie versuchen die Seele und die Wahrheit einer Person einzufangen. Ich würde auch nicht sagen, dass ich Kunst mache.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Ich verfolge eine ganze Reihe von inspirierenden Fotografen wie Bruno Dayan, Fanny Latour Lambert oder Elizaveta Porodina. Aber im allgemeinen versuche ich, mich von anderen Feldern als der Fotografie inspirieren zu lassen. In letzter Zeit habe ich mir nochmal Filme von Jacques Tati angesehen was meinen Blick auf den Bildausschnitt verändert hat.

Was war der peinlichste Moment?

Den gab es nicht. Ich weiß, welches Resultat ich erreichen will, und ich schiebe die Leute, mit denen ich arbeite, in diese Richtung. Wir arbeiten und schaffen das.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Ich inszeniere vor allem den Anfang einer Fotosession, weil man schnell Vertrauen zum Modell und dem Team aufbaut, wenn man Dinge fotografiert, bei denen man gut ist. Dann kann man die Ergebnisse zeigen, und jeder weiß, dass man etwas großartiges macht. Aber ich bin sehr neugierig, und sobald ich das Vertrauen erreicht habe, versuche ich von den einfachen Mustern abzuweichen und neue Dinge auszuprobieren, mich mehr zu bewegen und die Eigenheiten unserer Location zu benutzen. Und das Modell und unser Haare-Makeup-Artist versuchen das Gleiche zu tun. So entstehen die interessantesten Momente.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich will einfach weiter fotografieren, und es entwickelt sich von Projekt zu Projekt. Ich arbeite gerne mit sehr talentierten Menschen zusammen, sodass man gegenseitig die Kunst weitertreibt.

Steckbrief:

Die nächste Ausstellung:

Wunderbare Konzept-Geschichten mit dem Makeup-Künstler Stefan Kehl

Ausbildung:
Master in Kino-Ästhetik und angewandter Kunst an der ESAV der Universität Toulouse Le Mirail

Alter: 31

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