Akt Now: Katja Kremenic - Aktfotografie

Akt Now: Katja Kremenic

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: poetische Momentaufnahmen von Katja Kremenic.
Junge Aktfotografie:die besten Aktbilder junger Fotografen

Katja Kremenic, aus der Serie "Corse Noir"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich weiß nicht, wie ich diese einfache Frage beantworten soll. Ich war nie ein Fan von Meistern der klassischen Aktfotografie: Ruth Bernhard, Man Ray, Helmut Newton, Robert Mapplethorpe, Jeanloup Sieff.

Ich schätze ihr Werk, aber die Bilder lösen bei mir nicht wirklich etwas aus. Ich bin auf keine Fall der Typ, der einen Akt in einem Studio fotografiert und nur der Nacktheit wegen.
Ich mag das Raue, das Weiche und die Reinheit eines nackten Körpers. Zur Entkleidung kommt es bei meinen Modellen und das bin ich ja oft selbst, wenn der Moment danach schreit, wenn die Kleidung von der Schönheit und Leichtigkeit eines besonderen Augenblicks ablenken würde. Ich neige dazu, diesem Gefühl nachzugeben, wenn ich in der Natur bin. Ich liebe Abenteuer. Ich mag es, mich von fremden Orten, Sonnenaufgängen, dem Wind und dem Meer begeistern zu lassen – von all den außergewöhnlichen Plätzen und Seelen, auf die ich vorher sonst nie gestoßen bin.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Tabu ist ein Wort, das ich nie verwende. Ich denke nicht einmal daran. Wahrscheinlich ist das für meine Arbeit aber auch nicht wichtig. Ich wurde in Bezug auf die Darstellung von Nacktheit nie sehr explizit, stelle die Dinge nie so klar und detailliert dar. Es gibt bei meinen Bildern immer noch eine Menge Raum für die Fantasie des Betrachters.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wenn man sich ein Bild anschaut und sich nicht sofort fragt: "Wo sind die Klamotten?" Wenn Fotograf und Modell zusammen einen besonderen Moment kreieren und das auch spüren. Das Bild sollte dazu hohe ästhetische und emotionale Qualität beweisen. Man sollte einen Austausch von Energie zwischen dem Fotografen, dem Modell und auch dem Betrachter spüren. Ein gutes Bild sollte immer etwas rätselhaft bleiben und Neugier wecken. Ein gutes Beispiel in der Musik ist der Song "Suzanne" von Leonard Cohen.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Weder verstehe noch untersuche ich, wo die Hauptquelle meiner Inspiration liegt. Ich verlasse mich stark auf meine Intuition. Glücklicherweise habe ich viele Künstlerfreunde, die mich inspirieren, weil sie Spaß an dem haben, was sie tun.


Was war der peinlichste Moment?

Wahrscheinlich sollte es die geben, da ich mich ja auch selbst schon einige Male in der Öffentlichkeit entkleidet habe. Aber eigentlich waren das immer Momente, in denen ich mich komplett wohlgefühlt habe. Ich spüre dann nur die Kraft des Augenblicks und meiner eigenen Nacktheit. Was sonst passiert, ist mir egal. Die meisten meiner Bilder sind aber sowieso in der Natur entstanden. Die Leute, die an diesen wunderbaren, wilden Orten vorbeigekommen sind, waren vermutlich in der gleichen geistigen Verfassung wie ich.


Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in ihren Fotografien?

Am wichtigsten ist es mir, spontan auf Gegebenheiten zu reagieren. Sogar wenn ich eine Idee habe, sogar wenn ich einen bestimmten Ort aufsuche, den ich mir schon vorher ausgesucht habe und sogar wenn ich mit einem Modell arbeite: Der eigentliche Moment des Fotografierens wird immer so sein, als ob nichts geplant war. Das merke ich besonders, wenn ich mit einer Person arbeite, die ich das erste Mal treffe. Wir beide bestimmen dann, was aus der Zusammenarbeit entsteht. Das ist 50/50. Von diesem Gedanken bin ich momentan besessen und mit einem kürzlich begonnenen Buchprojekt versuche ich, mich damit ausführlich zu beschäftigen.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Am dem gerade Beschriebenen könnte ich ewig arbeiten. Ich habe eine Menge Ideen. Langsam aber erfolgreich lerne ich, meine Tätigkeit in einem anderen Rhythmus auszuüben, vor allem bei eigenen Arbeiten. So möchte ich zukünftig komplexere Projekte realisieren, solche, die mich fotografisch und persönlich stärker herausfordern.

Katja Kremenic

Alter: 30

Ausbildung: Fakultät für Sozialwissenschaften, Kommunikation und Medienwissenschaften, Ljubljana, Slowenien

Preise: Slovenia Press Photo, Honorable Award 2012 und The Life Framer Photography Award, 2014
http://www.katjakremenic.com/
katja.kremenic@gmail.com