Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Paul Barbera

Er gehört zu den ältesten Themen der Kunstgeschichte: Der Akt. Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: der australische Fotograf Paul Barbera.
Akt Now: Paul Barbera:Die Serie über die besten Aktbilder junger Fotografen

Paul Babera: Aus der Serie "Love Lost", 2009

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Paul Babera: Am Thema Akt reizt mich vor allem die Tatsache, dass ich nie weiß, wie sich eine Geschichte entwickeln wird. Ich arbeite ja fast immer mit neuen Menschen zusammen. Das macht das Thema noch spannender.

Ich kann Neues erschaffen und meine Geschichte erzählen. Außerdem habe ich durch die Arbeit meine wirkliche Bewunderung des weiblichen Körpers und der weiblichen Sexualität erkannt. Sie berührt mich ganz besonders und regt dadurch viele Erinnerungen an. Bei der Akt-Fotografie fühle ich mich ungeschützt und entblößt. So kann ich leichter Gefühle zeigen, man kann sich nicht verstecken. Das versuche ich dann, mit meinen Models zu realisieren.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich nähere mich bei den Foto-Shootings immer an eine Grenze an, diese überschreite ich dann, um zu verstehen, wo sich diese genau befindet. In meinem späteren Bearbeitungsprozess rufe ich mir diese dann wieder in mein Gedächtnis und reflektiere die Situation. Nur so kann ich die Geschichte erzählen, die ich fühle. Aber ich brauche auch die Tabus. Ohne sie gäbe es keine Grenze, die ich brauche, um mir darüber klar zu werden, warum ich genau das fotografiere.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ich glaube die Grenze hat sich in den letzten Jahren stark verwischt. So etwas ist heute nur noch sehr schwer zu beantworten, da sich die Ansichten sowieso immer wieder ändern. Zum Beispiel hat Terry Richardson Pornografie und Amateur-Akt für die Massen produziert. Durch ihn ist das jetzt alles "normaler" geworden, ja fast schon Mainstream. Ob das jetzt Kunst oder Pornografie ist, liegt im Auge des Betrachters. Du musst dir einfach selber die Frage stellen: "Warum schaue ich mir das eigentlich an?" Ist es lediglich zum Gaffen, oder ist es der Spaß an der Erforschung des Akts? Als Zwölfjähriger habe ich mir die französische Zeitung "Marie Claire" meiner Mutter geschnappt, die sie von ihrer Cousine aus Frankreich geschickt bekommen hatte. Die war für mich damals so etwas wie der Playboy. Obwohl das nur eine Modezeitschrift ist, na ja ich war halt zwölf. Was ich will, ist die Erforschung vom Liebesverlust. Für mich ist es wirklich eher eine Erforschung der Sache an sich. Wie die anderen das sehen, ist ihre Meinung.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Da gibt es echt viele: David Hamilton, Richard Kern, Bill Henson, Wan Ka Wai, Chris Doyle und Vittorio Storaro. Ihre Bilder dienen mir immer als Inspiration. Um sie zu finden, nutze ich ganz oft das Internet, so erkunde und sammle ich immer Neues. Bevor ich dann mit meinen Models arbeite, zeige ich ihnen immer einige Beispielbilder um ihnen zu erklären, was mit vorschwebt.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Intimität, Abgrenzung, Voyeurismus, Vorstellungen, Melancholie und Entfremdung.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Es gibt noch ungefähr 20 weiter Projekte, die ich realisieren will. Wenn ich die dann alle zu Büchern gemacht habe, was ich definitiv mein Ziel ist, kann ich wieder mehr Zeit in andere Projekte investieren. Jetzt will ich aber erstmal "Love Lost" mit den damit verbundenen Gefühlen und Ansichten auf meine kommerzielle und redaktionelle Arbeiten einwirken lassen. Diese sollen sich dann selber in ihre eigene Richtung weiterentwickeln. Wenn ich noch dieses Jahr ein Buch mit den "Love Lost" Arbeiten fertig stellen würde, wäre das ein großer Erfolg für mich.

Paul Barbera

Paul Barbera arbeitet in Australien und Europa. Er hat mehr als 50 Arbeiten unter anderem bei View On Colour, Bloom, Elle Decor, Freudin, Grazia Casa, Vogue Living, Jalouse & Black Book veröffentlicht
http://www.paulbarbera.com/
barbera@me.com

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