Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now!

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Victoria Baraga
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Victoria Baraga: "Mariel y Nicolás en el hotel", 2010

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Meistens entsteht der Akt durch meine dokumentarische Absicht beim Arbeiten, durch das Bedürfnis, meine Intimität und die der Menschen um mich herum zu fotografieren. Der Akt bildet dann das Intime ab, und es kann mit etwas Sexuellem zu tun haben oder auch nicht. Der Akt ist keine Kategorisierung meiner Fotografie, das ist nur ein Teil des Ganzen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Für mich existieren keine Tabus. Ich versuche mit maximalem Einsatz an die Arbeit zu gehen und um ehrlich zu sein, wenn ich irgendetwas machen will, dann werde ich mich nicht von Schamgefühl abhalten lassen, es umzusetzen. Ja ich zensiere mich selber oft, aber nicht um mich mit irgendeinem Tabu auseinanderzusetzen, sondern mit meinem eigenen Anspruch.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Es ist ziemlich komplex zu definieren was Kunst ist und was nicht. Ich denke nicht, dass ich eine Antwort dafür habe, ich glaube Kunst ist völlig subjektiv. Wenn für mich etwas Kunst ist, dann kann es für jemand anderen keine sein und umgekehrt. Aus meiner Sicht bedeutet Kunst zu erschaffen, eine Bindung einzugehen, und wo wir schon davon sprechen, ich glaube, dass ein Aktfoto zu etwas anderem wird, wenn eine Intention dahinter steht. Der Akt ist nur ein weiteres Hilfsmittel um auszudrücken und herauszubilden, was der Fotograf fühlt, bewusst oder unbewusst. Dann muss es eine Absicht geben, etwas zum Ausdruck zu bringen, was deutlich etwas mit der Aufrichtigkeit des Künstlers zu tun hat. Ein Akt nur des Aktes wegen beinhaltet keine Hingabe.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Fotografen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen und Emotionen hervorrufen, wenn ich ihre Arbeiten sehe, sind Nan Goldin, Sally Mann und Francesca Woodman. Aber ich werde nicht nur durch die Welt der Fotos inspiriert, sondern auch durch Malerei, Film und Musik. In meiner Arbeit geht es um mich, um das, was ich sehe, was ich höre, um Beziehungen, die ich eingehe oder abbreche, um Erfahrungen oder Veränderungen. All das nährt und inspiriert meine Arbeit.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Ich glaube, in meiner gesamten Arbeit ist Voyeurismus sehr präsent. Er wird durch die Art des Blickes sichtbar und durch die Szenen, die ich entscheide zu fotografieren. Ich mag es, Teilnehmer von etwas zu sein, das andere nicht bemerken, von einer Intimität, die nur ich wahrnehmen kann.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich würde gerne die Veränderung und Entwicklung dokumentieren, die jemand im Laufe der Zeit erlebt. Die Möglichkeit zu haben, eine Veränderung vom Anfang bis zum Ende zu begleiten und die Freisetzung dessen zu beobachten. Ich möchte gleichzeitig ein Beobachter und ein aktiver Teilnehmer des Prozesses sein. Daran würde ich gerne so konzentriert wie möglich und so lange wie nötig arbeiten.

Victoria Baraga

Steckbrief:
Die Fotografin Victoria Baraga wurde 1984 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Sie studierte Fotografie in Argentinien und gibt momentan Workshops in analoger Fotografie, mit dem Schwerpunkt auf der Entwicklung des Auges und der Möglichkeit, sich durch Fotografie auszudrücken. Sie möchte etwas weitergeben, was ihrer Meinung nach im Laufe des digitalen Zeitalters verloren geht.
http://www.flickr.com/photos/vicbaraga
Vicky_baraga@hotmail.com

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